Popp-aus, lyon-kracher: wolfsburg muss jetzt ohne ihre seele überleben

Der Termin stand seit Wochen rot im Kalender, jetzt ist er ein Kreuz für Alexandra Popp. Dienstag, 18.45 Uhr, Viertelfinale Champions League – und der VfL Wolfsburg muss gegen Olympique Lyon antreten, ohne seine Kapitänin, ohne ihre Tore, ohne ihre Stimme. Muskelverletzung, mehrere Wochen außer Gefecht, das ist offiziell. Das Hinspiel rutscht weg, das Rückspiel auch. Und vielleicht war es das.

Ein Satz, der wehtut: „Einige Wochen“ bedeutet im Klartext – wer die Popp kennt, weiß das – Saisonende. Der Sommer kommt, der Wechsel nach Dortmund ist längst besiegelt, und jetzt droht der Bogen sich zu schließen: Europapokal-Debüt 2009, Finale 2013, Pokalsiegerin 2021, Abschied 2025 – ohne großes Finale, ohne letzten Tanz.

Lyon steht vor der tür, wolfsburg vor dem abgrund

Die Französinnen sind keine Gäste, sie sind Naturkatastrophen in Stutzen. Zwölfmal haben sich die Teams schon in der K.o.-Phase gegenübergestanden, zwölfmal hat der Rekord gepocht. Die Bilanz: 3 Siege für Wolfsburg, 8 für Lyon, ein Unentschieden, das nur die Verlängerung einläutete. Seit dem legendären 1:0 nach Verlängerung im Berliner Finale vor zwölf Jahren hat der VfL kein Finale mehr gegen die Gäste gewonnen. Es folgten 0:3, 1:3, 0:1, 0:2 – eine Abfolge von Klatschen, die wie Groundhog Day wirkt.

Diesmal ist die Ausgangslage noch prekärer. Wolfsburg schlitterte als Neunter in die K.o.-Runde, Lyon blieb in der Gruppenphase ungeschlagen. Während Barcelona die Tabelle anführte, lag der achtmalige Titelträger nur deshalb zweit, weil die Katalaninnen ein Tor besser trafen. Die Frage ist nicht, ob Lyon besser ist – die Frage ist, wie viel besser.

Beerensteyn muss jetzt liefern, lerch muss tricksen

Beerensteyn muss jetzt liefern, lerch muss tricksen

Lineth Beerensteyn wird die Spitze übernehmen. Die Niederländerin ist schnell, direkt, aber sie ist keine Popp. Keine Kopfballmonster, keine Eckenfresserin, keine Anführerin, die mit einem Blick den eigenen Strafraum entfacht. Trainer Stephan Lerch muss nun aus dem Hut zaubern: DoppelSechs mit Janssen und Lattwein? Falscher Neuner mit Huth? Oder doch die 5-4-1-Variante, die in der Liga gegen Bayern funktionierte – auch wenn Lyon nicht Bayern ist, sondern das, was Bayern gerne wäre.

Die Katastrophe hat ein Add-On: Neben Popp droht auch der Transfer von Carla Cerci zu platzen. Die spanischen Medien berichten von „unüberwindbaren Differenzen“ zwischen den Klubs. Ein geplatzter Deal kurz vor dem Viertelfinale – das Timing ist perfekt, wenn man nach Fehlern sucht.

Disney+ überträgt, wolfsburg muss liefern

Disney+ überträgt, wolfsburg muss liefern

Wer schauen will, braucht Disney+. Der Streamingdienst hat sich die Rechte gesichert, die ARD schaut weg, der Rest der Republik auch. Das Spiel wird ein Nischenprodukt, aber mit Brisanz. Denn wenn Wolfsburg scheitert, droht ein Doppel-Depp: Popp-Aus, Achtelfinal-Aus, vielleicht auch das Aus in der Bundesliga – derzeit nur drei Punkte Vorsprung auf Platz vier.

Die Wölfinnen brauchen ein Wunder, das Wunder braucht eine Heldin. Vielleicht ist es Beerensteyn, vielleicht Janssen, vielleicht eine 19-Jährige aus der zweiten Reihe. Lyon hat die Stars, Wolfsburg die Not. Und manchmal, sagt man, ist Not besser als Doping. Dienstagabend wird sich zeigen, ob das Sprichwort gilt – oder ob die alte Regel wieder zieht: Lyon gewinnt, Wolfsburg weint, Popp schaut vom Sofa aus zu und weiß: Das war’s.