Popp wechselt nach dortmund: ein neuanfang mit großer last?
Alexandra Popp, eine Ikone des deutschen Frauenfußballs, vollzieht im Sommer einen überraschenden Wechsel – vom Serienmeister VfL Wolfsburg zu Borussia Dortmund. Nach 14 Jahren in Wolfsburg wagt die 35-Jährige eine neue Herausforderung, die von großer Vorfreude, aber auch von der Last der Erwartungen geprägt ist. Im Exklusiv-Interview mit SPORT1 spricht Popp offen über ihre Karriere, Rückschläge und den besonderen Stolz, für ihren Herzensverein spielen zu dürfen.
Die narben der verletzungen: mehr als nur eine reha
Popp ist bekannt für ihre kompromisslose Art und ihre Führungsstärke. Doch hinter der Fassade der kontrollierten Spielerin verbergen sich auch Zweifel und Schmerz. Besonders die schweren Verletzungen haben sie geprägt. „Was einen natürlich komplett aus der Bahn wirft, sind Verletzungen“, gesteht sie im Interview. Die verpassten Europameisterschaften aufgrund von Knieproblemen waren die dunkelsten Stunden ihrer Karriere. Das Nicht-Wissen, ob die Rückkehr auf den Platz überhaupt möglich sein würde, hat tiefe Spuren hinterlassen.
Doch Popp kämpfte sich zurück, bewies ihren unbändigen Willen und schätzte den Fußball danach noch mehr. „Am Ende wieder auf dem Platz zu stehen, hat mir enorm viel Auftrieb gegeben.“

Von angriff und rückzug: die strategien der resilienz
Wie reagiert ein Sportler auf solch tiefe Enttäuschungen? Popp zeigt, dass es keine allgemeingültige Antwort gibt. Nach der ersten schweren Verletzung 2013 entschied sie sich für einen Angriff, riskierte die EM für die Champions League. 2017 war es anders, da zog sie sich zurück, fragte sich: „Warum mache ich das hier eigentlich noch?“ Die Unterstützung durch Familie und Freunde half ihr, wieder den Mut zu fassen und den Blick nach vorne zu richten. Ein Moment, der auch vielen anderen Athleten Hoffnung geben kann.

Das bvb-gen: eine kindheitstraum wird wahr
Der Wechsel nach Dortmund ist mehr als nur ein sportlicher Schritt – es ist die Erfüllung eines lang gehegten Traums. Popp gesteht: „Mein Herzensverein ist Borussia Dortmund.“ Diese Liebe wurde in ihrer Kindheit durch ihren Bruder, einen begeisterten BVB-Fan, geweckt. Die Erinnerung an den ersten Besuch im Westfalenstadion, mit ihrer Mutter, einer überzeugten Bayern-Anhängerin, ist unvergesslich. „Dieses BVB-Gen hat sich in mir entwickelt und wurde immer stärker.“

Die gelbe wand: ein emotionaler moment, der alles übertrifft
Der Empfang durch die Dortmunder Fans kurz nach Vertragsunterschrift war überwältigend. Die Süd stand Kopf, feierte Popp wie ihren eigenen Idol. Ein Moment, der selbst die erfahrene Nationalspielerin sprachlos machte. „Ich habe mich genau an den Moment als Kind erinnert, wie ich damals die Gelbe Wand erlebt habe – nur, dass ich diesmal selbst auf dem Rasen stand.“ Selbst das Champions-League-Finale im Camp Nou konnte diesen emotionalen Moment nicht übertrumpfen.
Es war ein Zeichen der Wertschätzung, das den Verein in diesem Moment nicht größer hätte ausdrücken können. Popp selbst war beeindruckt und gleichzeitig überwältigt.
Mehr als nur ein gesicht: verantwortung und erwartungen
Popp ist sich bewusst, dass sie in Dortmund eine Vorbildfunktion übernehmen wird. „Es wurde gesagt, ich soll ein Gesicht des Vereins werden.“ Doch sie betont, dass sie sich nicht verbiegen wird. Sie ist Arbeiterin, will etwas mitentwickeln und vor allem Spaß haben. Der Aufstieg in die erste Liga ist ein klares Ziel, und dafür will sie alles geben.
Die balance finden: spaß und leistung
Popp weiß, dass der Schlüssel zum Erfolg darin liegt, die richtige Balance zu finden. Sie will mehr Zeit für sich nehmen, ausgeglichener sein und den Spaß am Fußball wiederentdecken. Der Jagdschein, die Zeit mit Freunden und Hund – all das soll helfen, die Verbissenheit zu steuern. Denn, wie sie selbst sagt: „Fußball funktioniert bei mir nicht über Krampf, sondern über dieses Gefühl, warum ich das überhaupt mache.“
Marie-Louise Eta's mutiger Schritt als Cheftrainerin bei Union Berlin zeigt, dass Leistung im Vordergrund stehen sollte – unabhängig vom Geschlecht. Popp stimmt zu: „Es sollte am Ende nicht um Geschlechter gehen, sondern um Leistung.“
Alexandra Popp tritt ihren Weg in Dortmund an. Eine Reise, die nicht nur für sie, sondern für den gesamten Frauenfußball von Bedeutung sein könnte. Die Erwartungen sind hoch, aber Popp ist bereit. Sie hat gelernt, mit Rückschlägen umzugehen, ihre Zweifel zu überwinden und den Spaß am Spiel nie zu vergessen. Das nächste Kapitel ihrer Karriere verspricht Spannung und Emotionen.
