Seoane packt aus: yb-krise ist hausgemacht

Die Young Boys sind ein Trümmerfeld. Europa League raus, Cup raus, Meisterschaft ein Trauerspiel. Gerardo Seoane, Ende Oktober als Notlösung geholt, redet im blue-Sport-Talk „Heimspiel“ Klartext – und tritt nicht nach unten.

Der trainer sieht die ursache im eigenen haus

„Wir sind mit den Resultaten überhaupt nicht zufrieden, auch nicht mit der Entwicklung“, sagt der 47-Jährige. Kein „aber“, kein „wenn“, keine Ausrede. Er nennt die Baustellen beim Namen: Führung, Defensive, Kopf. Drei Wunden, alle offen.

Die Kritik an der fehlenden Führung im Kader weist er zurück – halb. „Den sportlichen Misserfolg an den Führungsspielern festzumachen, das ist mir zu einfach.“ Doch er gibt zu: Leadership will gelernt sein. „Wir haben ein Gremium, das sich erst finden muss.“ Im Winter haben sie angefangen, mit den Designierten Einzelgespräche zu führen. Ein Kraftakt, kein Zaubertrick.

Die abwehr ist ein schweizer käse

Die abwehr ist ein schweizer käse

2:6 gegen den Grasshopper Club im Dezember – ein Lehrstück in Selbstaufgabe. „Wir verlieren den roten Faden, wollen zu schnell zu viel und vernachlässigen gewisse Konzepte“, sagt Seoane. Die Statistik: 29 Gegentore in 18 Liga-Spielen. Kein Top-6-Club kassierte mehr.

Der Trainer trennt zwischen individuellen Blackouts und systemischem Problem. Erstere passieren, zweitere töten. „Unsere Mannschaft ist eher offensiv projektiert.“ Das klingt nach Schulbuch, spielt sich aber auf dem Platz wie ein Horrorfilm ab: Die Linie rückt nicht früh genug, die Sechser verlieren die Übersicht, der Gegner trifft. Wieder und wieder.

Zwischen den ohren bröckelt es am meisten

Zwischen den ohren bröckelt es am meisten

Seoane redet über Rückschläge, die das Team „nicht verdauen“ kann. Kein Zufall: Nach dem 0:3 in Basel folgte ein 1:1 gegen St. Gallen, nach dem 1:4 in Luzern ein 0:2 in Yverdon. Die Psycho-Falle schnappt zu. „Das hat mit Persönlichkeit und mit dem Umgang mit Druck zu tun.“ Wer bei YB spielt, muss liefern – sofort, lautstark, siegreich. Diese Erwartung ist nicht neu, aber jetzt giftig.

Die Konsequenz: Trainerteam und Sportpsychologe arbeiten an „Druck-Modulen“, an Wettkampf-Simulationen, an Selbstvertrauen in kleinsten Dosen. „Schritt für Schritt“, betont Seoane. Das klingt nach Drehbuch für einen Abstiegskampf, nicht nach Titelanwärter.

Die tabelle lügt nicht

Die tabelle lügt nicht

Nach 18 Runden 13 Punkte Rückstand auf Leader Servette. Die letzte Meisterschaft vor 2018, in der YB so schlecht dastand, endete mit Platz fünf. Der Klub musste damals die Europa-League-Quali über die Tabellen-Rückrunde retten. Heute ist sogar das Europacup-Ticket in Gefahr.

Seoane bleibt hart, aber nicht verbittert. „Das ist der Prozess, den wir durchlaufen müssen.“ Kein „wir werden zurückkommen“, kein „wir schaffen das“. Nur die nüchterne Erkenntnis: Wer sich selbst erkennt, kann sich ändern. Ob es reicht, die Saison zu retten? Die Antwort liefert das nächste Spiele-Paar: Auswärts in Sion, daheim gegen Basel. Sechs Punkte oder Winter-Training mit Schock-Frost.