„Rudert, rudert!“: fußballfieber erfasst das norwegische parlament
Oslo – Der Aufschrei der Fans hat nun auch die politischen Hallen Norwegens erreicht. Das WM-Fieber hat das Stortinget, das norwegische Parlament, überraschend fest im Griff. Direkt nach wichtigen Abstimmungen, die sich sonst mit Themen wie Nachrichtendiensten und Abgeordnetendiäten befassten, rief Parlamentspräsident Masud Gharahkhani am Donnerstag zu ungewöhnlichen Aktionen auf.

Ein gruß an die nationalmannschaft – mitten in der demokratie
„Wir in der Präsidentschaft haben uns überlegt, dass wir einen Gruß an unsere Fußball-Jungs schicken sollten – an die Nationalmannschaft, die wirklich liefert – aus dem Herzen der Demokratie, aus dem Stortinget“, erklärte Gharahkhani. Der beste Weg, diese Botschaft zu übermitteln, sei nach seiner Ansicht ein lautes „Rudert, rudert!“. Und so beteiligten sich Politiker aller Parteien an einem improvisierten „Wikinger-Ruder“-Training, indem sie mit erhobenen Fäusten imaginäre Ruder bewegten.
Der sozialdemokratische Politiker, der in Teheran geboren wurde, dirigierte die ungewöhnliche Szene vom Rednerpult aus. Als er das Gefühl hatte, genügend gerudert worden zu sein, beendete er die Aktion mit einem ernsten „Ruhe im Saal!“. Ein Wortspiel, denn „Ro“ bedeutet auf Norwegisch sowohl „Ruhe“ als auch „rudern“ – eine clevere Kombination, die die Aufmerksamkeit auf sich zog.
Doch es ist mehr als nur ein Spaß: Die norwegische Nationalmannschaft nimmt erstmals seit 1998 wieder an einer Weltmeisterschaft teil. Der Schlachtruf „Rudert, rudert!“ ist zu einem landesweiten Phänomen geworden, das Stadien, Rolltreppen und nun auch das Parlament erfüllt. Die Begeisterung für die Mannschaft ist spürbar und scheint die politische Landschaft zumindest kurzzeitig zu vereinen. Die Fans aus dem skandinavischen Land haben mit ihrem Enthusiasmus nicht nur die WM erobert, sondern auch das Internet im Sturm.
Die Aktion von Gharahkhani ist ein Zeichen dafür, wie tief das Fußballfieber in Norwegen verwurzelt ist. Es zeigt, dass selbst in den ernsten Hallen der Politik die Freude am Sport und die Unterstützung der Nationalmannschaft im Vordergrund stehen können. Die politische Debatte mag dauern, aber für den Moment rudern alle in dieselbe Richtung – in Richtung des WM-Erfolgs.
