Odermatt schreibt geschichte: fünfte kristallkugel in serie – und das war noch nicht alles
Marco Odermatt hat es wieder getan. Fünfte Kristallkugel in Folge, fünfter Gesamtsieg, fünfter Beweis, dass er nicht nur die beste Zeit fährt, sondern die Zeit neu definiert. Die Schweiz jubelt, die Konkurrenz schaut nur noch zu. Und Odermatt? Der bedankt sich – bei den Leuten, die seine Ski wachsen, seine Muskeln retten, seine Nerven beruhigen. Bei denen, die seine Rekorde nicht feiern, sondern ermöglichen.
Die macht hinter dem mythos
Was auf der Piste aussieht wie Einsamkeit, ist im Kern Teamarbeit. Odermatt weiß das. In seiner Videobotschaft zollt er Swiss-Ski Tribut: „Ohne euch wäre das nicht möglich.“ Kein Standard-Statement, sondern eine Aufzählung mit Namen, die niemand kennt: Servicemann Urs, Physio Tanja, Trainer Rene. Sie alle bekamen eine Dankes-Szene in seinem Instagram-Clip, der binnen Stunden die halbe Schweiz elektrisierte. Das ist keine PR, das ist Kultur. Und die frischt er sich nach jedem Sieg neu ein.
Die Zahlen sind längst zu groß für normale Statistiken: 2.208 Weltcup-Punkte in dieser Saison, 14 Podestplätze in 17 Rennen, ein Vorsprung von 653 Punkten auf den Zweitplatzierten. Aber die wirkliche Bombe steckt im Detail: Odermatt gewann in Disziplinen, die ihm früher zuwiderlaufen waren. Riesenslalom? Klar. Super-G? Logisch. Slalom? Plötzlich auch. „Ich hasse Slalom“, sagte er vor drei Jahren noch. Jetzt hasst er nur noch, nicht auf dem Treppchen zu stehen.
Nach dem Finale
TAG10Pause? nein, reset.
Die Fans bekommen indes ein emotionales Sommer-Postcard. Odermatt wird in den nächsten Wochen auf seiner Social-Media-Kanälen Einblick geben in ein Leben, das nicht nur aus Training besteht: Mountainbiketouren über den Gotthard, Kajakausflug auf dem Vierwaldstättersee, ein Besuch bei den Skibauern in der Engelberger Werkstatt. Kleine Geschichten, die den Mythos menschlich halten – und die Sponsoren glücklich.
Für die Konkurrenz bleibt nur eines: hoffen, dass Odermatt irgendwann einmal ein schlechtes Jahr erwischt. Die Wahrscheitlichkeit dafür liegt laut Statistikern bei 0,7 Prozent. Odermatt selbst lacht darüber: „Statistik interessiert mich nur, wenn ich sie verbessern kann.“ Die nächste Chance dazu kommt in 162 Tagen, wenn der erste Weltcup in Sölden startet. Bis dahin ruft niemand mehr nach einer Pause – sondern nach einem Wunder. Und das Wunder trägt weiterhin die Startnummer 1.
