Nagelsmann zieht die reißleine: groß ist zurück, stiller raus – und goretzka muss zittern

Julian Nagelsmann hat die Nacht von Donnerstag auf Freitag nicht zum Feiern genutzt, sondern zum Umräumen. Pascal Groß kehrt nach 189 Tagen Abstinenz in den Kader zurück, Angelo Stiller fliegt trotz VfB-Top-Form raus, und Leon Goretzka? Der muss jetzt jeden Samstag beweisen, dass er nicht nur Bayern-Kapitän, sondern auch Nationalspielverdächtig ist.

Warum groß ein magnet und stiller nur eine randfigur bleibt

Die Erklärung liefert Nagelsmann persönlich. Er zitiert Brighton-Coach Fabian Hürzeler, den er am Telefon hatte, bevor er die Liste verschickte: „Pascal macht andere besser.“ Das reicht dem Bundestrainer. Er sieht in Groß keinen Sechser, sondern einen Seelenfänger, einen verlängerten Arm des Trainingsplatzes, der zwischen Jungprofis und Weltmeistern vermittelt. Groß selbst habe sich während der EM „auch mehr Minuten gewünscht“, sagt Nagelsmann, „aber er stellt nie sein Ego über die Mannschaft“. Das klingt nach Schulterklopfen, ist in Wahrheit die Jobausschreibung für einen Kaderspieler – jemand, der bereitsteht, aber nicht startet.

Angelo Stiller hingegen bekommt die Abfuhr mit Ansage. „Ich sehe ihn nicht in der ersten Elf“, sagt Nagelsmann knapp. Damit ist klar: Stuttgart oder nicht – der 23-Jährige bleibt außen vor. Die Botschaft ist härter als jede Einzelkritik. Nagelsmann vertraut lieber dem 20-jährigen Aleksandar Pavlović, der in München gerade erst richtig warm wird. Goretzka wiederum darf zwar mitfahren, aber nur unter Vorbehalt. „Er muss im April mehr Einsatzminuten sammeln“, sagt der Bundestrainer und wischt damit die vermeintliche Startelf-Garantie vom Tisch, die er ihm im kicker-Interview gegeben hatte. Goretzka spürt jetzt den Wind von vorn – und der kommt nicht von der Tribüne, sondern vom eigenen Chef.

Die märz-liste ist nagelsmanns erste echte machtprobe

Die märz-liste ist nagelsmanns erste echte machtprobe

Bislang hatte er Spieler wie Gnabry oder Sané noch durchgewunken, jetzt zieht er die Schere. Groß ist die Sympathiefigur, Stiller das Opfer, Goretzka der Warntattoo-Träger. Die WM in den USA rückt näher, und Nagelsmann will keine Reservebank voller Stars, sondern eine Startelf mit klaren Rollen. Wer nicht passt, fliegt – egal, wie laut der Name ist. Die großen Rollengespräche folgen im Lehrgang, aber die Weichen sind gestellt. Und wer jetzt noch glaubt, der Bundestrainer würde warten, der unterschätzt die Geschwindigkeit, mit der sich DFB-Kader in diesem Frühjahr drehen.