Milosevic rast am abgrund vorbei: werder-fans rissen ihn aus dem loch

Zwei Treffer in zwei Spielen, ein Sieg nach 13 sieglosen Partien – und trotzdem nagt ein Bild an Jovan Milosevic: der vergabene Meter-Ball gegen Heidenheim, der leere Strafraum, das klingende Lattenholz in seinem Kopf.

„Ich lag am boden und fragte mich: ist das echt?“

Der Serbe stemmte sich hoch – nicht mit Selbstbeweihräucherung, sondern mit Hilfe der Nordtribüne. „Komm, Jovan – weiter geht’s!“, schallte es, und plötzlich war der 20-Jährige nicht mehr der Mann, der den Ball vorhin noch ins Leere schrammte, sondern der Angreifer, den Werder dringend braucht.

Die Leihe aus Stuttgart war kein Wellness-Wochenende. Partizan-Belgrad-Topscorer, erwartungsfroh, dann Durchschnittsnoten und Bankplätze an der Weser. Daniel Thioune setzte ihn zurück, ließ ihn schmoren, sprach lang und oft. Milosevic: „Für mich war das Gespräch ein Schalter. Danach lief es.“

Doch der Lernplan ist noch lang. Effizienz heißt das Stichwort, das ihm selbst auf die Stirn tätowiert ist. Zweimal getroffen, zweimal die xG-Statistik gegen ihn. „Chancen wie am Samstag darf ich nicht mehr liegen lassen“, sagt er und meint jene Szene, als er am zweiten Pfosten aus fünf Metern nur noch den Torschrei verschluckte.

Der abstiegskampf wird zum selbsttest

Der abstiegskampf wird zum selbsttest

Werder holte gegen Heidenheim drei Punkte, rutschte zumindest eine Runde weiter oben am Strick der Tabelle hoch. Milosevic will mehr: „Wir haben erst angefangen, erfolgreich zu sein – das ist nur der Anfang.“ Der Serbe redet wie ein Kapitalist, der weiß, dass Geld nicht schläft. Tore sind sein Kapital, und jedes verschossene xG ist ein Minusgeschäft.

Die Fans hingegen rechnen anders. Für sie ist er bereits der Anti-Held, der sich erlauben darf, danebenzutreten, weil er danach zurückkommt. Milosevic spürt das, und das ist in der Bundesliga kein Luxus, sondern ein Trumpf. „Wenn die Hinterm Tor rufen, vergisst man den Frust in fünf Sekunden“, sagt er und klingt dabei wie jemand, der gerade erst verstanden hat, warum Bremen Abstiegskampf und Lebensgefühl zugleich sein kann.

Die Zahlen sind gnadenhaft: 2,4 erwartete Tore, zwei echte – ein Plus, aber kein Geschenk. Der nächste Gegner wartet, der Keller ist noch immer dunkel. Doch Milosevic hat etwas entdeckt, das wichtiger ist als jede Statistik: ein Publikum, das ihn auffängt, wenn er selbst nicht mehr an sich glaubt. In einer Saison, in der Werder um die Existenz zittert, könnte das der Unterschied sein zwischen Falltür und Rettungsring.