Glatzel fordert mehr einsatzzeit – hsv-trainer polzin zieht notbremse
Robert Glatzel hat den Finger in die Wunde gelegt. Der HSV-Stürmer beschwerte sich öffentlich über seine Bankrolle – und traf damit einen Nerv, der im Volksparkstadum bisher niemandem schmeckte. Trainer Merlin Polzin reagierte postwendend, lud seinen Torjäger zum Krisengespräch. „Klare Worte“, sagt der Coach, „aber kein Kaltstellprogramm.“

Polzin nimmt stürmer beiseite – doch glatzel bleibt ein risiko
Das erste Aufeinanderprallen gab es schon nach dem 0:1 gegen Leverkusen Anfang März. Glatzel verstand die Welt nicht mehr, warum er auch gegen Darmstadt und Kiel nur einsammeln durfte. Polzin setzte in diesen Partien auf Neuzugang Damion Downs – ohne Treffer, ohne Profil. Die Entscheidung schmeckt dem 31-Jährigen wie ein fader Pilsener nach einem verlorenen Derby.
Der Vorstoß in der Hamburger Morgenpost schlug hohe Wellen. Sportchef Jonas Boldt nahm die Kritik „eine Ebene höher“ mit ins Präsidium. Das Kalkül: interne Richtlinien durchsetzen. Polzin betont, jeder dürfe seine Meinung vertreten – „nur nicht vor laufender Kamera“. Der Verein preist seit Jahren Teamgeist und Demut, wer da solo tanzt, stört das Kollektiv.
Die Frage, die jetzt alle umtreibt: Wie geht’s weiter? Am Samstag um 18.30 Uhr steht die Partie bei Borussia Dortmund an. Ob Glatzel im Kader steht, hält Polzin in der Schwebe. Die Konkurrenz im Angriff wächst: neben Downs kehrt Moritz-Broni Kwarteng aus der Reha zurück, Fabio Baldé will seine Minuten, und Youngster Jonas David schielt auf ein Offensiv-Debüt.
Die Zahlen sprechen für sich: Glatzel kam in den letzten fünf Liga-Spielen nur auf 67 Spielminuten. Dabei lieferte er vor der Winterpause acht Tore und vier Vorlagen – bis heute kein HSV-Profi mit besserer Quote. Downs steht dagegen bei 418 Minuten ohne Treffer. Die Lücke zwischen Effizienz und Vertrauen frisst sich durch die Kabine.
HSV-Intern herrscht Bewegung. Die Mannschaft liegt zwei Punkte hinter dem Relegationsplatz, der Restprogramm ist dünne Eisplatte. Wer jetzt intern zündelt, riskiert den Klassenerhalt. Polzin weiß das, Glatzel ebenfalls. Entsprechend zäh war das Gespräch, aber beide Seiten sprechen von „Lösung auf Augenhöhe“. Ein Einsatzverbot? Kein Thema. Ein Garantie für Startelf-Minuten? Auch nicht.
Der Sturm um denStürmer wird also fortgeschrieben. Für Fans ein Garant für Drama, für Mitspieler ein Test der Geschlossenheit. Für Glatzel selbst bleibt ein einfacher Fakt: Tore machen lässt sich nur, wer spielen darf. Und spielen darf nur, wer sich dem Kaderkonzept fügt. Am Samstag in Dortmund entscheidet sich, ob der Knipser wieder mitreist – oder ob die Bank sein zweites Zuhause bleibt.
