Galarza: der wm-schreck mit theatralik und siegtoren!
Dortmund – Matías Galarza. Dieser Name wird in Paraguay wie eine Hymne gefeiert, in Deutschland indes eher mit genervtem Kopfschütteln aufgenommen. Der Mittelfeldspieler war zweifellos der ungeliebte Star des WM-Sechzehntelfinales zwischen Paraguay und Deutschland, ein Mann, der nicht nur spielerisch Akzente setzte, sondern auch mit fragwürdigen theatralischen Einlagen für reichlich Gesprächsstoff sorgte.
Die nickligkeiten und der theatralische rollenwurf
Schon früh im Spiel machte Galarza das Leben der deutschen Spieler schwer. Jamal Musiala, bekannt für seine Unruhe und sein Talent, geriet mehrfach mit dem Paraguayer aneinander. Nach einem Ballverlust, der nicht mit einem Freistoß für Deutschland geahndet wurde, ließ Musiala seine Frustration an Galarza aus und sah dafür folgerichtig die Gelbe Karte. Auch Kai Havertz hatte mit dem Mittelfeldspieler zu kämpfen – wie Oliver Schmidt, Kommentator beim ZDF, treffend formulierte: „Er kam immer wieder ins Gehege.“
Besonders auffällig war eine Szene, in der Musiala von Galarza tunnelte und dieser ihn dann umstoß. Doch das war noch nicht alles. Als Joshua Kimmich versuchte, Galarza den Ball abzunehmen, krümmte sich der Paraguayer plötzlich vor Schmerzen zusammen und landete theatralisch am Boden. „Ach du lieber Gott!“, kommentierte MagentaTV-Experte Wolf-Christoph Fuss diese Szene, die ihn an den „Komödienstadel“ erinnerte. Der Mann schien die Kunst des Theaters perfektioniert zu haben.

Von der leistung zum feindbild
Galarza polarisierte. Während er in Paraguay für Furore sorgte, wurde er in Deutschland zunehmend zum Feindbild – eine Entwicklung, die an Marc Cucurella im EM-Viertelfinale 2024 erinnerte. Die Reaktionen im Netz waren überschwänglich negativ, und selbst Fuss verlor im Laufe des Spiels seine anfängliche Sympathie für den Mittelfeldspieler. Es war nicht nur seine Theatralik, die die Fans aufbrachte, sondern auch seine hartnäckige Weigerung, sich von den Schiedsrichterentscheidungen unterkriegen zu lassen.

Entscheidende akzente und der sieg
Doch Galarza war mehr als nur eine Nervensäge. Er zeigte auch eine beeindruckende Leistung. Mit einer mustergültigen Flanke bereitete er die Führung Paraguays durch Julio Enciso in der ersten Halbzeit vor. Im Elfmeterschießen ließ er ManuelNeuer keine Chance und schob den Ball lässig in die Ecke. „120 Minuten getreten wie ein Bürstenbinder – und dann schiebt er ihn ganz entspannt in die Ecke“, kommentierte Fuss, während Oliver Schmidt von einer „ganz, ganz lässigen“ Ausführung sprach.
Seine gewonnenen Duelle und Balleroberungen unterstreichen seine spielerische Stärke. Doch die deutsche Mannschaft fand selten einen Weg, um seine Gier zu kontern. Galarza und seine Kollegen waren hungrig und entschlossen, das Spiel in eine – gelungene – „Kneipenschlägerei“ zu verwandeln.
Eine karriere im wandel
Der „Deutschland-Schreck“, der im Gruppenspiel gegen die Türkei zum Spieler des Spiels gewählt wurde, macht damit weiter mächtig Eigenwerbung. Er hat sie bitter nötig, denn sein Verein River Plate plant offenbar nicht mehr mit ihm und verleihte ihn bereits in die MLS zu Atlanta. Nach der WM muss er sich nach einem neuen Verein umsehen – und angesichts seiner Leistung an der WM wird es ihm an Interessenten nicht mangeln. TyC Sports nannte ihn gar einen „Star der Weltmeisterschaft“. In Deutschland mag er nicht in bester Erinnerung bleiben, aber das ist ihm wahrscheinlich egal. Die WM hat ihm einen Namen eingebracht, und das ist im Fußballgeschäft oft alles, was zählt.
