Polestar 5: der schwedisch-chinesische herausforderer der deutschen sportwagenelite?
Die Elektromobilität im Premiumsegment wird heißer – und Polestar mischt kräftig mit. Nach den Modellen 3, 4 und nun dem 5 scheint der schwedische Hersteller unter chinesischer Flagge endgültig den Sprung in die erste Liga geschafft zu haben. Kann der Polestar 5 wirklich gegen etablierte Giganten wie Porsche Taycan, Audi e-tron RS und Mercedes-AMG GT bestehen?
Ein design, das reizt: die rückkehr des precept
Der Polestar 5 präsentiert sich mit einer Silhouette, die dem Prototypen Precept von 2020 erstaunlich nahekommt. Die coupéartige Form, die fließenden Linien und die aerodynamische Effizienz strahlen eine moderne Eleganz aus. Das Frontdesign ist niedrig und aggressiv, die Pixel-LED-Scheinwerfer verleihen dem Fahrzeug einen futuristischen Look. Die bündig eingelassenen Fenster und die versenkbaren Türgriffe unterstreichen den Anspruch an eine hochwertige Verarbeitung.
Im Innenraum setzt Polestar auf ein minimalistisches Design, das jedoch keineswegs auf Komfort verzichtet. Die vorderen Sitze, in Kooperation mit Recaro entwickelt, bieten hervorragenden Seitenhalt und sind serienmäßig mit einem MicroTech-Bezug ausgestattet, optional ist feinstes Leder erhältlich. Die Materialauswahl im Cockpit ist hochwertig, und die Verarbeitung lässt keine Wünsche offen – was bei einem Preis ab 120.000 Euro auch zu erwarten ist. Allerdings fallen einige Details, wie beispielsweise die Klavierlack-Oberflächen, negativ auf. Diese neigen nicht nur dazu, Fingerabdrücke anzuziehen, sondern wirken in der heutigen Automobilindustrie bereits etwas veraltet.

Technische stolpersteine und überraschende lösungen
Ein weiterer Kritikpunkt ist die ungewöhnliche Anordnung der Fensterheberschalter, die an die frühen Volkswagen ID-Modelle erinnert und auch dort bereits auf wenig Zustimmung gestoßen ist. Auch das Fehlen einer Handschuhfach und ein relativ kleiner Mitteltunnel sind bemerkenswert. Das Panorama-Dach sorgt für eine helle Atmosphäre im Innenraum, doch der Verzicht auf eine Heckscheibe – stattdessen wird ein digitales Rückspiegel verwendet – erfordert eine gewisse Eingewöhnungszeit und kann die Abstandsschätzung erschweren.

Dynamik, die überzeugt – aber nicht ohne kompromisse
Unter der Haube verbirgt sich ein leistungsstarkes Elektrotriebwerk, das je nach Version zwischen 550 kW (748 PS) und 650 kW (888 PS) Leistung freisetzt. Der Polestar 5 beschleunigt in der Performance-Variante in gerade einmal 3,2 Sekunden auf 100 km/h. Das Fahrverhalten ist präzise und agil, die Lenkung vermittelt ein direktes Gefühl. Die optional erhältlichen magnetorheologischen Dämpfer sorgen für eine hervorragende Straßenlage und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Komfort und Sportlichkeit. Ein Mangel ist jedoch das Fehlen vordefinierter Fahrmodi. Der Fahrer muss die einzelnen Parameter manuell anpassen, was gerade bei sportlicher Fahrweise ablenkend wirken kann. Wer auf ein adaptives Fahrwerk setzt, leistet sich eine strafe.

Praktische aspekte: stauraum und ladezeiten
Der Kofferraumvolumen ist mit 365 Litern eher bescheiden, insbesondere im Vergleich zu anderen Fahrzeugen dieser Größe. Im vorderen Bereich befindet sich ein kleinerer Stauraum von 62 Litern, der hauptsächlich für das Ladekabel genutzt wird. Dank der 800-Volt-Architektur lässt sich die Batterie in wenigen Minuten aufladen – ein klarer Vorteil gegenüber vielen Konkurrenten. Die Reichweite liegt je nach Version zwischen 565 und 670 Kilometern (WLTP).
Der Polestar 5 ist ein ambitioniertes Projekt, das das Potenzial des schwedisch-chinesischen Herstellers eindrucksvoll unter Beweis stellt. Auch wenn es noch einige wenige Ausbaustärken gibt, so bietet der Wagen doch eine überzeugende Kombination aus Design, Leistung und Technologie. Ob er die deutschen Sportwagen-Dominatoren wirklich verdrängen kann, bleibt abzuwarten – doch er deutet an, dass die Zukunft der Elektromobilität spannend wird. Denn eine Sache ist klar: Der Polestar 5 ist kein weiterer Elektrowagen, sondern ein Statement – und das mit einer gehörigen Portion skandinavischer Kühle.
