Pokal-viertelfinale: wolfsburg gegen frankfurt – jetzt fliegt die maske

Mittwoch, 18.30 Uhr, AOK-Stadion: Wer dort nur die Bundesliga-Tabelle aufschlägt, versteht nur die halbe Wahrheit. Wolfsburg – Frankfurt ist kein Viertelfinale, es ist ein vorgezogener Kampf ums Zepter. Wer gewinnt, schickt nicht nur den Angstgegner nach Hause, er entzieht dem FC Bayern die letzte Bremse.

Die „wölfinnen“ zittern – und das hat nichts mit dem rasen zu tun

Peter Christiansen ist Geschichte, Ralf Kellermann ebenfalls, die VW-Gewinne rutschen, die Männer-Profis schlittern Richtung Abstiegszone. Stephan Lerch redet sich das Thema gestern in der Sportschau schön: „Können wir nicht beeinflussen.“ Stimmt. Beeinflussen können seine Spielerinnen nur, ob sie am Donnerstagmorgen noch mit leerer oder voller Reisetasche in den VW-Bus steigen. Svenja Huthbleibt, das verkündeten die Niedersachsen als Gegen-PR – ein Jahr Vertragsverlängerung für eine 35-Jährige, die seit zehn Pokalsiegen dabei ist. Symbolik statt Neuanfang.

Frankfurt dagegen wirkt wie ein Coiled Spring. Niko Arnautis wartet seit 2017 auf sein erstes Stück Silber, und die Leidenszeit nagt. Sara Doorsoun, gebürtige Kölnerin, spricht offen vom „coolsten Tag meines Lebens“, sollte sie im Mai im eigenen Stadtteil auflaufen. Die Message ist klar: Wolfsburg ist die Vergangenheit, wir sind der Gegenwarts-Moment.

Hsv schmeißt 10.000 tore in die waagschale – bayern lacht

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Während sich die Großen die Zähne ausbeißen, schmiedet der HSV das Märchen vom Viertelfinale. Mehr als 10.000 Tickets weg, Volksparkstadion fast voll, Lea Paulick („wir haben nichts zu verlieren“) klingt wie die Torhüter-Version von Cinderella. Bayern-Coach José Barcala warnt trotzdem vor „komplett anderen Spielen“, doch seine Stimme verrät Gelassenheit: Der Titelverteidiger spielt gegen die Tabellen-13. der Liga, nicht gegen sich selbst.

Essen und jena – die letzten krokodile im unterfluss

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SGS Essen empfängt Werder Bremen und behauptet stur: „Gemeinsam Richtung Halbfinale!“ Dabei stehen sie auf Platz 11, Bremen war erst im Finale. Trainerin Fritzy Kromp hat Larissa Mühlhaus in die Nationalmannschaft gepusht – und prompt traf die Stürmerin beim Debüt. Carl Zeiss Jena, Tabellenletzter, empfängt Zweitliga-Überflieger SC Sand. Der Sieger darf sich Underdog nennen, aber das Halbfinale ist kein Kindergeburtstag, sondern ein Ticket nach Köln, wo bereits 20.000 Plätze weg sind – ohne Garantie für Champions-League-Fußball, weil der Pokalsieger kein Startplatz für Europa ist.

Die Rechnung ist simpel: Wer heute Abend überlebt, darf vom Pokal träumen. Wer fällt, muss bis Mai zuschauen, wie andere den Pokal küssen. Die Favoriten tragen Bayern-Trikots, die Dramen Wolfsburg-Frankfurt. Und Köln wartet schon mit leuchtenden Augen und leeren Händen, bereit, das nächste Kapitel deutscher Frauenfußball-Geschichte zu schreiben. Keine Rettung, keine Relegation – nur 90 Minuten Wahnsinn.