Pokalsieger zerfällt: bamberg plant schon den neuanfang
Die BMA365 Bamberg Baskets haben gerade erst das Pokalfinale geknackt, schon bröckelt der Kader. Vier Leistungsträger sagen Tschüss, bevor die Playoffs losgehen. Die Franken müssen sich neu erfinden – und das in Rekordzeit.
Die abgänge stehen fest
Kapitän Ibi Watson unterschreibt in Ulm, Moritz Krimmer kehrt nach Trier zurück, Center Zach Ensminger wechselt nach Oldenburg. Selbst Youngster Finn Döntges schielt auf die NCAA. Playmaker Cobe Williams dürfte den Pokalsieger ebenfalls verlassen. Nur Demarcus Demonia hat eine Option – mit Ausstiegsklausel. Die Zahlen sind hart: vier von acht Rotationsspielern weg, bevor das erste Playoff-Spiel steigt.
Sportdirektor Philipp Höhne spricht offen aus, was andere nur flüstern: „Wir können den Jungs momentan nichts versprechen.“ Der Grund ist das ungewisse Ticket für den internationalen Wettbewerb. Ohne garantierte Champions League oder EuroCup-Teilnahme fehlt das Verhandlungsargument. „Wenn ich wüsste, dass wir nächste Saison in der BCL spielen, könnte ich mit Zuschlägen und Bühne werben. So bleibt nur die Zahlenlotterie.“

Die champions-league-falle
Die BBL bekommt vermutlich drei Startplätze. Bayern sind für die EuroLeague gesetzt, Ulm fix im EuroCup, Alba hat die Wildcard in der Tasche. Bleiben zwei freie Tickets – vorausgesetzt, ein Playoff-Halbfinale wird erreicht. Entscheidend ist Ende Mai. Da haben Spieler und Agenten längst die Sommerverträge unterschrieben. Bamberg muss also jetzt planen, ohne zu wissen, ob es im Herbst in Thessaloniki oder Valencia landet.
Die finanzielle Schere tut ihr Übriges. Oldenburg tankt über Sponsoren frisches Kapital, Bamberg hofft auf Eintrittsgelder aus möglichen CL-Partien. 2022/23 steckten die Oberfranken noch in der Champions League, danach half nur die inoffizielle ENBL, um Spielpraxis und Reisekosten zu finanzieren. „Wir steigen mit dem Etat“, verspricht Höhne. Die Frage ist nur, wie viel Luft nach oben bleibt, wenn die Stars schon weg sind.

Neustart mit risiko
Rang drei in der Tabelle und sechs Punkte Vorsprung auf Rang sieben – sportlich sieht es gut aus. Doch die Konkurrenten schlafen nicht. Ludwigsburg und Bonn wittern ihre Chance, das verunsicherte Topteam zu schubsen. Bamberg muss in den Playoffs liefern, um nicht nur das Prestige, sondern auch die Lizenz für Europa zu sichern. Sonst steht ein kompletter Umbruch bevor – mit einem Budget, das vielleicht niemanden halten kann, der schon woanders unterschrieben hat.
Die Lösung: Höhne und Co. arbeiten an einem Doppelplan. Szenario A hält das Team zusammen, sollte das Halbfinale klar werden. Szenario B baut auf Nachwuchs und erfahrene Rollenspieler, falls die BCL-Zusage ausbleibt. Die Verhandlungen laufen auf Hochtouren, die Telefone glühen. Bamberg will 2025 wieder angreifen – nur mit wem, das entscheidet sich in den nächsten sechs Wochen. Die Uhr tickt lauter als jeder Buzzer.
