Pogacar zertrümmert den mythos merckx – sanremo endet mit historischem faustschlag

Der Slowene riss die Arme hoch, als wollte er die Via Roma aus den Angeln heben. Dabei schlug er nicht einfach zu – er schlug Geschichte. Tadej Pogacar feierte seinen ersten Sieg bei der Milano-Sanremo, und das mit einer Attacke, die selbst Eddy Merckx‘ ewige Bestmarke ins Wanken bringt.

Der sturz, der keinen bruch wurde

60 Kilometer vor dem Ziel rutschte Pogacar in einer engen Rechtskurve weg. Asphalt unter den Schulterblättern, Staub in den Lungen. Jeder andere hätte sich in die Grupetto geschlichen. Er schwang sich zurück aufs Rad, jagte durch die Feldgruppe, zog Tom Pidcock mit – und dann: Capo Berta, Capo Cipressa, Poggio. Drei Anstiege, drei Sprints, drei Herzinfarkte für die Verfolger.

Die Uhr stoppte bei 6:27:23 Stunden. Schneller als Merckx 1971. Schneller als jede Legende, die je auf der Riviera gastierte. Die 298 km wurden zur Fußnote, die letzten 300 Meter zur Hauptgeschichte. Pidcock kam auf demselben Rad, aber mit anderem Gesicht: zweimal zweiter in zwei Monaten, beide Male hauchdünn.

Die faust, die alles wegradierte

Die faust, die alles wegradierte

Im Zielbereich schlug Pogacar nicht einfach ein – er boxte gegen die Luft, gegen die Jahre, in denen er als „Klassik-Verlierer“ galt. „Ich habe die Angst abgeschüttelt“, sagte er später, die Stimme heiser vom salzigen Gischt. „Heute war kein Tag für Statistiken, sondern für Sturheit.“

Der Sieg bringt ihn auf 14 Monuments. Merckx steht bei 19, doch der Belgier brauchte ein ganzes Jahrzehnt. Pogacar jagt in Realzeit. Die nächste Jagd beginnt am Sonntag in Flandern. Wer jetzt noch von „Parallel-Karriere“ spricht, hat die Klinge nicht mehr im Blick.

Die Buchmacher korrigierten die Quoten binnen Minuten: 1,65 auf einen Doppel-Sieg Ronde + Roubaix. Die Geschichte mag Vergleiche, die Zukunft mag Tempo. Und Tempo ist das, was Pogacar am besten kann.