Pogacar kracht, blutet, sprintet – und besiegt mailand-sanremo
298 km, ein Berg, ein Sturz, ein Traum. Tadej Pogacar riss sich auf dem Asphalt die Haut vom Leib, setzte sich trotzdem auf dem Via Roma ab und bewies: Er ist nicht nur der beste Rundfahrer der Welt, sondern auch der gefährste Klassiker-Räuber seit Jahren.
Die Story beginnt wie ein Horrorfilm für UAE. 30 km vor dem Ziel rutscht Pogacar in einer Kurve weg, räumt Van Aert und Girmay mit ein, liegen drei Profis in Ineos-Trikots neben ihm. Das Feld jagt in Vollgas davon, die Cipressa rückt bedrohlich nah. Da sitzt der Slowene plötzlich mit zerschlissener linker Hüfte im Windschatten der Teamwagen – und lacht nicht.
Die cipressa wird zur schicksalswand
Was folgt, ist keine Pokershow, sondern offene Aggression. Pogacar schraubt sich an dritter Position den Hang hoch, Pidcock klebt wie Klettverschluss an seinem Hinterrad, Van der Poel stemmt sich dagegen – und platzt. Oben angekommen zählen nur noch zwei: der Gelb-Rote und der Brite mit den Mountainbike-Beinen. Hinter ihnen ein Flickenteppich aus Favoriten, die nur noch Zuschauer sind.
Die Abfahrt nach Sanremo wird zur Schachpartie auf Leben und Tod. Pidcock weigert sich zu ziehen, Pogacar zwingt ihn mit Blicken, mit kleinen Schlenkern, mit purem Willen. Wer hier zögert, verliert. Keiner will das Rad des anderen, beide wollen nur das Band am Ende der Via Roma.

Sprint um millimeter statt sekunden
200 Meter, kein Meter länger. Pidcock zieht links, Pogacar rechts. Die Kamera wackelt, die Menge brüllt, die Vorderreifen tanzen auf derselben Linie. Ein Fotofinish entscheidet: vier Zentimeter Vorsprung, ein halbes Rad, ein Traum, der endlich wahr wird. Van Aert, noch mit Gipsgeist im Gesicht, rauscht aus dem Verfolgerfeld auf Rang drei – ein Trostpflaster aus Metall.
Für Pogacar ist das kein Etappenziel, sondern die Antwort auf alle, die sagten, er könne nur hoch, nicht schnell. Mailand-Sanremo galt als seine weiße Weste, er trägt sie jetzt rot befleckt. Und er trägt sie mit Stolz.
