Pogacar kracht ab, siegt trotzdem: mailand-sanremo gehört ihm
Tadej Pogacar schlug 32 Kilometer vor der Via Roma auf Asphalt, rappelte sich auf – und nahm sich trotzdem den Mythos La Primavera. Der 27-jährige Slowene schrieb bei der 117. Auflage des 298 km langen Klassikers die irrste Siegesserie seiner Karriere fort: elf Monumente, nur noch Paris-Roubaix fehlt.
Sturz, attacke, sprint – so ging das finale
Auf dem Poggio löste der Weltmeister die entscheidende Sprengung aus. Thomas Pidcock klebte an seinem Rad, Wout van Aert verrodete drei Meter dahinter. Die Tempoverschärfung war so rabiat, dass selbst Mathieu van der Poel – Vorjahressieger – acht Sekunden nach dem Zeitpunkt des Trikotschleuders über die Rampe fuhr und nur Achter wurde.
Unten in Sanremo schaltete Pogacar in den Sprintmodus. Kein Blick nach rechts, keine Fahrerlotterie: 250 Meter vor dem Ziel spürte er, dass Pidcocks Beine schwerer wurden, und drückte noch einmal durch. Die Zeitmessung: 4:32,96 h – schnellste Primavera seit 1997. «Ich wusste, dass ich nur eine Runde mehr gehen muss», sagte Pogacar, während ihm Blut aus dem Ellenbogen tropfte, das er sich beim Sturz aufgeschlitzt hatte.

Deutsche radler fehlen im endspiel – tradition stirbt nicht
Kein deutscher Fahrer mischte im letzten Kilometer mit. Das war schon 2024 so, doch die Zahlerinnerung bleibt hartnäckig: Erik Zabel stand viermal ganz oben, Rudi Altig, Gerald Ciolek und John Degenkolb jeweils einmal. Die neue Generation – unter anderem Max Schachmann und Georg Zimmermann – verpasste das Finale um gut eine Minute. Teamchef Jens Zemke biss sich auf die Lippe: «Wir haben den Poggio unterschätzt.»
Die Lücke zwischen deutscher Erfolgstradition und Gegenwart wächst. Pogacar hingegen baut seine Sammlung aus. Am 12. April will er in Roubaix den letzten weißen Fleck auf seiner Monument-Karte tilgen. Wer ihn dann noch bremsen will, braucht mehr als nur ein paar Kopfsteinpflaster.
