Pleiß-aus: vechta verliert seinen turm – bbl-endspurt wird zum kraftakt
Sechs Wochen ohne Tibor Pleiß – das ist keine Nachricht, das ist ein Schock für Rasta Vechta. Der 2,21-Meter-Riese zog sich am Samstag im Topspiel gegen Ludwigsburg einen Innenbandriss im rechten Knie zu, wie der Club erst wenige Stunden vor dem Heimspiel gegen Chemnitz mitteilte.
Die szene, die alles änderte
Pleiß wollte verteidigen, wollte nicht einfach Punkte kassieren. „Ich hatte noch daran gedacht, in der Szene wegzubleiben“, sagt er. Dann knickte das Knie weg. Ein Knall, ein Schmerz, danach nur noch Arztgerede. 15 Spiele, 11,3 Punkte, 5,0 Rebounds – weg. Die Saisonstatistik des 36-Jährigen ist jetzt ein Scherbenhaufen.
Die Folgen sind rasant: Vechta gewann zwar noch 80:78 gegen Chemnitz, bleibt mit 22:28 aber Zwölfter. Chemnitz rutscht auf Platz elf ab. Die Tabelle lügt nicht, sie zeigt nur, wie dünn die Luft in dieser Phase ist.
Trainer Christian Skrobal muss nun improvisieren. Ohne Pleiß fehlt nicht nur Größe, sondern vor allem Struktur. Die Pick-and-Roll-Varianten, die Umverteilung im Rebounding, die Sicherheit in der Zone – alles weg. Jungs wie Robin Christen und Lucas Mayer bekommen plötzlich Minuten, die sie sich vor zwei Wochen nicht erträumt hätten.

Die stimmen aus der kabine
„Wir müssen kleinere Lineups spielen, mehr Tempo ziehen und unsere Wurfquote nach oben schrauben“, sagt Skrobal. Klingt nach Plan, ist aber ein Wunschkonzert. Denn ohne Pleiß wird jeder Gegner sofort die Zone attackieren, wird Second-Chance-Punkte erzwingen. Die nächsten Gegner: Bayern, Alba, Bonn – kein Geschenk im Kalender.
Pleiß selbst sitzt in der Halle, das Knie in einer blauen Kühlschiene. „Ich bin in meinem fünften Jahr in Vechta, das hier sollte meine beste Saison werden“, sagt er. Stattdessen guckt er jetzt Fernsehbasketball, schaut, wie seine Kollegen ohne ihn kämpfen. 109 Länderspiele für Deutschland, zwei EuroLeague-Titel – und trotzdem hilft keine Statistik gegen einen Innenbandriss.

Die tabelle lügt nie
Die BBL ist ein Haifischbecken. Zwölf Teams kämpfen um zehn Play-off-Plätze, und Vechta hat nur noch vier Spiele, um den Anschluss zu halten. Ohne Pleiß wird daraus ein Höhenklettererlebnis ohne Sauerstoff. Die Punkteausbeute in den letzten Wochen: 22. Die Quote, mit der man normalerweise absteigt.
Doch es gibt auch eine andere Zahl: 7,2. So viele Vorlagen pro Spiel gab Pleiß im Schnitt, wenn er aus der Doppel-Team-Falle herauspasste. Diese 7,2 Pässe fehlen nun. Jeder Ball, der nicht mehr fliegt, landet im Statistikloch.
Die Saison ist nicht gelaufen, sie ist nur schwerer geworden. Vechta muss jetzt beweisen, dass der Teamgeist mehr zählt als ein 2,21-Meter-Mann. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Truppe zusammenwächst oder auseinanderdriftet. Eines ist klar: Wer jetzt nicht springt, der ist raus aus dem Play-off-Rennen. Und Tibor Pleiß muss gucken, wie seine Kameraden ohne ihn überleben – oder eben nicht.
