Pinturault legt ski-overall auf eis: der letzte könig von courchevel packt es ein
Er kam, sah und drehte sich zum Abschied ein letztes Mal. In Courchevel, wo er als Kind die ersten Schwünge zog, verkündete Alexis Pinturault am Samstag das Ende seiner aktiven Laufbahn – mit 34 Weltcupsiegen im Gepäck, drei WM-Golds und der Gewissheit, dass kein Franzose je mehr Kristall geholt hat.
„Ich habe keinen Grund mehr, morgens aufzustehen und zu denken: Noch einmal“, sagte der 34-Jährige, der in zwei Wochen 35 wird. Die Sätze klangen nicht wie ein Rücktritt, sondern wie ein Fakt. „Wenn du dich fragst, warum du es tust, ist es vorbei.“
Die streif warf ihn raus – und öffnete die tür
Der spektakuläre Sturz auf der Streif im Jänner war keine Pointe, sondern der Anfang vom Schluss. Knie, Schulter, Selbstvertrauen – alles riss, nichts hielt. Die Qualifikation für Peking 2026 verpasste er, die fünften Olympischen hätten die Krönung werden sollen. Stattdessen saß er in Courchevel auf dem Podium, neben dem Bürgermeister, und erklärte, warum er keine Tränen mehr schuldet.
Die Zahl, die bleibt: 34 Weltcupsiege, mehr als Jean-Claude Killy und Luc Alphand zusammen. Dazu der Gesamtweltcup 2021, als ob die Technik-Crew plötzlich auch die Speed-Disziplinen beherrschte. Doch die Zahlen erzählen nur die Hälfte. Pinturault war der letzte Allrounder, der in Slalom und Abfahrt gleichzeitig podestreifte – ein Dinosaurier im Zeitalter der Spezialisten.

Was bleibt: ein dorf, ein spitzname, ein loch
In Le Praz wird das Bistro „L’Alex“ weiterhin Crêpes servieren, benannt nach dem Jungen, der dort nach dem Training heimkehrte. Die Einheimischen nennen ihn immer noch „le roi du combiné“, obwohl es den Wettbewerb bald nicht mehr gibt. Die Kinder fahren jetzt mit Carbon-Stöcken, die früher seine Signature-Line waren.
Der Französische Skiverband reagierte mit einer Pressemitteilung, die so trocken klingt, als hätte man einen Staatsakt für eine Excel-Tabelle erfunden. „Wir danken Alexis für seine außergewöhnliche Karriere“, hieß es. Kein Wort darüber, dass kein Nachfolger in Sicht ist. Mathieu Faivre? Clément Noël? Sie gewinnen Rennen, nicht Epochen.
Pinturault selbst will „etwas Neues“ – ein Satz, der sich anhört, als hätte er noch keine Ahnung, was das ist. Trainer? TV-Experte? Wintersportdirektor? Er lachte nur, als man ihn fragte. „Erst einmal Sommer.“
Die Saison endet in Mercato Saraceno, einem Ort, den kein Franzose aussprechen kann. Dort wird niemand „Merci, Alexis“ rufen, weil die Italiener ihren eigenen Helden feiern. Trotzdem wird er die rote Startnummer auf links tragen – eine Geste, die niemandem auffällt, außer ihm.
Am Ende zählt nicht, wer die meisten Titel hat, sondern wer die längste Spur hinterlässt. Pinturault fuhr seine in die steile Piste von Courchevel, wo die Schatten der Bäume noch wie Streichhölzer aussehen. Wer dort jetzt fährt, sieht keine Spur mehr – aber spürt, dass einer durchkam.
