Phantomtor boyd stürzt aue in neue tiefe – abstieg droht
Mannheim – Der Ball war nicht drin, der Schiri zählte ihn trotzdem. Mit einem 1:2 beim SV Waldhof rutscht Erzgebirge Aue auf Platz 18, neun Punkte hinter das rettende Ufer. Die Veilchen haben nur noch fünf Spielzeit, das Wunder selbst zu vollbringen.
Die szene, die alles entschied
90. Minute, 1:1. Niklas Hoffmann chippt, Terrence Boyd donnert aus spitzem Winkel aufs Tor. Keeper Martin Männel lenkt an die Latte, das Leder springt halb hinter, halb auf der Linie – und dann wieder nach vorn. Linienrichter und Schiedsrichter Timon Schulz winken. Tor. 2:1. „Ich stehe 80 Meter weg und sehe, dass der Ball niemals vollständig drin ist“, brüllt Christoph Dabrowski ins MagentaSport-Mikro. „Fassungslos“ sei er, und das will etwas heißen: Der Coach wartet seit acht Spielen auf einen Sieg.
Die Bilder sind eindeutig. Ein Stück weiß ist immer sichtbar. „Wenn der VAR in der 3. Liga käme, wäre das Ding zurückgenommen worden“, fordert Marvin Stefaniak, Torschütze zum 1:0. Stattdessen flimmert nichts, außer der Hoffnung der Sachsen.

Drei großchancen, null effizienz
Die Veilhen hatten 45 Minuten lang alles im Griff. Marcel Bär scheitert zweimal aus fünf Metern, einmal klärt Waldhof auf der Linie. „Wir müssen aus drei, vier Top-Situationen mehr machen“, hadert Dabrowski. Sein Team spielt mutig, presst hoch, trifft den Ball sauber – und vergisst das Spielgerät im Tor unterzubringen.
Nach dem Seitenwechsel erwischt Lovis Bierschenk die Gäste kalt. Eric Uhlmann flankt, Bierschenk vollendet. 1:1. „Schreckmoment“, sagt Stefaniak. Die Auer Defensive schaltet Sekunden zu spät, die Offensive findet keine Antwort mehr. „Zu harmlos“, lautet Dabrowskis Diagnose.

Der abstieg klopft laut an
Elf Partien, zwei Punkte. Die Tabelle lügt nicht: Aue hat die zweitschlechteste Rückrunde, das zweitmeiste Gegentor, das zweitwenigste Eigenes. Selbst wenn 1. FC Saarbrücken am Samstag in Verl verliert, bleibt die Lücke neun Zähler groß. „Wir balancieren auf einem schmalen Grat, wo es nur noch wehtut“, sagt Stefaniak und spricht aus, was jeder Zuschauer sieht: Der FCE taumelt mit offenen Augen in die Regionalliga.
Nach der Länderspielpause geht’s gegen Hoffenheim II und Jahn Regensburg – vermeintlich letzte Rettungsanker. Dann gastiert Aufstiegskandidat SC Verl. Wenn bis dahin nicht mindestens sechs Punkte herausspringen, ist der Klassenerhalt nur noch Mathematik. „Wir sind keine tote Mannschaft“, betont Dabrowski. Doch der Lucky Punch von Boyd war ein Vorschlaghammer auf die letzte Pulle Luft.
Die Veilchen müssen jetzt gewinnen – oder den Abstieg in Kauf nehmen. Die Uhr tickt. Laut.
