Bayern pulverisiert union und jagt den 54 jahre alten torrekord
Die Münchner schießen sich in Rage: 4:0 gegen Union Berlin, 97 Saisontore – der Mythos von 101 Treffern aus dem Jahr 1972 ist nur noch ein Kopfschuss entfernt.
Die jüngste bayern-generation will geschichte umschreiben
Es war keine Demonstration, es war eine Demonstration nach Feierabend. Union Berlin stellte das Bollwerk, Bayern zog die Kettensäge auf. Erst biss sich der Rekordmeister 42 Minuten die Zähne aus, dann schlug Michael Olise mit dem rechten Innenrist zu, Sekunden später zerlegte Serge Gnabry den Ball aus kurzer Distanz. 2:0 zur Pause, die Anzeigetafel flackerte wie ein altes Arcade-Spiel. Nach dem Seitenwechsel durfte Harry Kane den 31. Liga-Treffer der Saison nachlegen, Gnabry machte seinen Doppelpack perfekt. Die 75.000 im Stadion wussten: Die Jagd auf den 54 Jahre alten Klubrekord ist offiziell eröffnet.
Christoph Freund sprach hinterher von „unglaublicher Torausbeute“, aber die Worte klangen wie ein Routinekommentar. Die wahre Geschichte steckt in der Statistik: Bayern erzielen alle 45 Minuten ein Tor, seit 17 Pflichtspielen sind sie ungeschlagen, und kein Gegner schafft es länger, das Tempo mitzugehen. Die Berliner wehrten sich mit dem Selbstverständnis einer Mannschaft, die weiß, dass sie in der Hauptstadt nur Gast ist. Doch die Münchener spielen derzeit Fußball wie ein Schnellaufguss: kurz, heiß, unerträglich für jeden, der die Kontrolle übernehmen will.
Was niemand erwähnt: Der Rekord aus der Saison 1971/72 war lange ein Relikt, das niemand anrühren wollte. Gerd Müller schoss 40 Tore, die Mannschaft 101. Heute jagt ein Kollektiv ohne klassische Mittelstürmer-Dependance dieselbe Marke. Kane trägt zwar das Torjäger-Kettenhemd, doch Dahinter schlummern Olise, Musiala, Sané, Gnabry – ein Fächer an Optionen, der selbst defensiven Beton sprengt.

Der kalender wird zum gegner
Nächste Hürde: Real Madrid, Pokal-Halbfinale in Leverkusen, sieben Liga-Spiele in 25 Tagen. Der Gegner heizt, der Kader dampft. Aleksandar Pavlovic fiel kurzfristig mit Hüftproblemen aus, ein kleines Alarmzeichen. Dafür debütierte Erblin Osmani mit 16 Jahren, wurde zum zweitjüngsten Bayern-Profi aller Zeiten und lächelte wie ein Schuljunge, der versehentlich die Abschlussfahrt nach Madrid gewonnen hat.
Die Meisterschaft? Nur noch Formsache. Zwölf Punkte Vorsprung auf Dortmund, ein Spiel mehr, ein Fuß schon im Schaukelfinale. Die Frage lautet nicht mehr, ob die Salbe herunterfliegt, sondern wann der Rekord fällt. Freund versichert: „Wann ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass wir Meister werden.“ Klingt nach Selbstverständlichkeit, ist aber eine Ansage an die Historiker: Erst die Schale, dann die Statistikbücher.
Am Ende stand ein 4:0, das wie ein 8:0 roch. Olise traf noch den Pfosten, Kane köpfte knapp drüber, Kimmich zirkelte einen Ball auf die Latte. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Wer 97 Tore nach 27 Spielen erzielt, dem bleiben noch sieben Versuche, die 101 zu überbieten. Die Bayern jagen nicht nur Titel, sie jagen sich selbst – und sind dabei, das eigene Monument einzureißen.
