Pesic legt auf: nach 77 jahren und einem hotelbett ist schluss
Svetislav Pesic hat sich im Hotelbett gefragt, ob er verrückt geworden ist. Die Antwort fiel um 3 Uhr morgens in München, war laut und endgültig: „Schluss mit Basketball, hör endlich auf!“ Der 76-jährige Serbe, der mit Deutschland, Jugoslawien und Serbien Titel holte, mit Alba Berlin und Barcelona Europas Pokale abräumte und 2014 bereits einmal mit den Bayern Meister wurde, beendet nach dieser Saison seine Trainerkarriere.
Der anruf kam nachts – und nur für den fc bayern
Herbert Hainer hatte Gordon Herbert gerade verabschiedet, da klingelte Pesics Telefon. „Ich hätte bei keinem anderen Verein zugesagt“, sagt er rückblickend. Die Liebe zu den Münchern entflammte 2014 erneut, als er mit dem Club die deutsche Meisterschaft feierte. Nun will er den Haken dran machen – mit dem Titel, der ihm als letztes Puzzle seiner Sammlung fehlt.
Die EuroLeague lief schlecht, die Playoffs verpasst. Doch in der BBL liegt Bayern auf Kurs. Pesic schwört, dass er mit der Bundesmeisterschaft abschließen will, bevor er sich ganz dem Leben jenseits der Seitenlinie widmet. Denn der Plan stand ursprünglich schon nach der Europameisterschaft: erst mal Pause. Die Bayern aber brauchten ihn, und er sie – eine Liaison, die sich über zwei Jahrzehnte zieht.

Ein sohn im vorstand, ein vater auf der bank
Bis vor wenigen Monaten saß Marko Pesic als Geschäftsführer neben dem Spielfeld. Der Vater coachte, der Sohn verwaltete. Ein Familienbetrieb im Profisport, selten und ruhrend zugleich. Nun ist Marko weg, der Vater bleibt noch ein paar Wochen. „Das ist mein Herzensverein“, wiederholt Pesic, als wolle er sich selbst beruhigen, dass die Entscheidung richtig ist.
Die Autobiografie „Immer weiter“ erscheint an diesem Mittwoch. 280 Seiten, ein Leben voller Finalspiele, Nächte in Hotels, Taktikfetzen auf Servietten. Darin beschreibt er, wie er 1993 in München mit der deutschen Nationalmannschaft die EM gewann – ein Erfolg, der dem Basketball in Deutschland Schub gab und ihm den Status einer Legende einbrachte.
Die Zahl 77 wird zur Fixierung. In 13 Jahren wäre er 90. „Das sind noch 13 Jahre“, rechnet er vor, „aber ich kann nicht mehr länger Cheftrainer sein.“ Also endet eine Ära, die 1995 mit dem Korac-Cup-Sieg von Alba Berlin begann und 2003 mit dem EuroLeague-Triumph von Barcelona ihren Höhepunkt fand. Dazwischen liegen zwei Goldmedaillen mit Jugoslawien, Bronze mit Serbien 2024 gegen Deutschland – ironisch, hatte er 2023 das WM-Finale gegen dieselbe Mannschaft verloren.
Nach dem Sommer wird Pesic Kurse geben, Vorträge halten, vielleicht ein Seminar in Belgrad, vielleicht eines in München. Nur nicht mehr jeden zweiten Tag um 5 Uhr morgens aufstehen, um Video zu schneiden. Das reicht. Die Uhr tickt, das Hotelbett ist abgebucht, der Kreis schließt sich.
