Pelkum-reporterin richter: so retten fairplay-helden den sport vor uns selbst

Zwei Sportler, zwei Sekunden, die alles entscheiden. Tabea Frohn bremst ab, als ihre Konkurrentin am Boden liegt. Julian Köster lässt sich in seiner Freizeit auf Menschen ein, die viele lieber ignorieren. Für dieses Vergeben bekommen sie jetzt den Fairplay-Preis 2025 – und liefern uns die Antwort auf die Frage, warum wir den Sport überhaupt noch gucken.

Frohns handschlag mit dem schicksal

Beim Breitensport-Triathlon klappt Tabea Frohn die Beine weg. Nicht metaphorisch, sondern buchstäblich. Die 29-Jährige stapelt auf der Radstrecke, als hinter ihr ein dumpfer Aufprall knallt. Statt durchzuziehen, dreht sie sich um. Ihre Trainingsfreundin liegt bleich im Gras – Herzinfarkt, wie später die Klinik bestätigt. Frohn opfert ihre Zeit, ruft Rettung, rettet Leben. „Das ist keine Heldensaga, das ist Normalität“, sagt sie am Telefon. Dabei ist genau das ihre Heldensaga.

Die Jury um Manfred Lämmer wertet die Geste als „fairexplosiv“. Kein Marketing-Depp hat das erfunden, sondern ein Jurymitglied, das selbst mal Wettkampf schwimmen musste und weiß: Sekundenzögerung kann dich die Podestplatzierung kosten. Frohn interessiert das nicht. Sie steht am 11. Juni im Biebricher Schloss, kriegt die Trophäe und wird trotzdem vor allem eines sein: wieder Startnummern annähen und vergessen, dass ganz Deutschland plötzlich ihren Vornamen richtig ausspricht.

Kösters stiller protest gegen das schweigen

Kösters stiller protest gegen das schweigen

Julian Köster trägt keinen Herzkatheter hinter sich, sondern eine Tasche voller Flyer. Seit Mai 2024 ist der Handball-Zweitliga-Profi offizieller Botschafter für Special Olympics Deutschland. Was sich nach PR klingt, ist Alltag in Schulturnhallen, wo er mit geistig behinderten Kindern Passt um Passt spielt. „Ich bringe denen keine Therapie, ich bringe denen den Ball“, sagt Köster. Die Kids nennen ihn einfach „Julian“, nicht „Profisportler“, und das ist für ihn das höchste Kompliment.

Miriam Welte, DOSB-Vize und Jurymitglied, nennt das Engagement „vorbildlich“. Gemeint ist: Er zahlt keine Lippenbekenntnisse, sondern Eintrittskarten. Während andere Influencer Selfies mit Behinderten klicken und ins nächste Fitness-Camp düsen, bleibt Köster sitzen, bis der letzte Rollstuhl aus der Halle rollt. Keine Story, die viral geht – aber eine, die sich in Hirnwindungen festkrallt.

Warum wir diese geschichten brauchen

Warum wir diese geschichten brauchen

Der deutsche Leistungssport rätselt über Sinkzahlen, Dopingzoff und leere Tribünen. Dabei liefern Frohn und Köster die einfache Formel: Erfolg ist zweitrangig, wenn Menschlichkeit im Weg steht. Die Preise sind mit 5.000 Euro dotiert – kein Vergleich zu Boni in der Bundesliga. Sie sind aber das, was Statistiken nicht erfassen: Glaubwürdigkeit. Ohne diese Puzzlestücke wäre Sport nur noch Netflix mit Schweißgeruch.

Am 11. Juni stehen sie in Wiesbaden auf der Bühne. Die Sonne wird auf das Biebricher Schloss glühen, und irgendwo im Publikum sitzt ein Nachwuchsathlet, denkt „Wenn denen das reicht, reicht mir das auch“ und lässt beim nächsten Wettkampf die Ellbogen daheim. Genau deshalb gewinnt der Sport – nicht nur die beiden Preisträger.