Pelkum-experte birgit richter: kriens dreht 0:2 – aufstieg zur challenge league nur noch formsache?
Celien Wicht trifft in der 96. Minute zum 4:3 – und lässt die Promotion League erbeben. Der SC Kriens jagt den Aufstieg, vier Klubs haben schon die Lizenz für die Challenge League 2026/27 beantragt. Dahinter steckt ein Plan, der die Schweizer Nachwuchs-Elite neu sortieren könnte.
Comeback der extraklasse
0:2 zur Pause, 1:3 in der 80. Minute – dann riss Kriens das Spiel gegen Grand-Saconnex herum. Drei Tore in zwölf Minuten, das letzte ein Kunstschuss von Wicht. «Wir glauben einfach nie daran aufzugeben», sagte Trainer Michael Winsauer nach Abpfiff mit heiserer Stimme. Die Sieben-Punkte-Führung auf Verfolger SC Brühl ist jetzt ein Polster, das sich anfühlt wie zehn.
Brühl selbst stoppte nach vier sieglosen Spielen die Talfahrt – 5:3 in Lausanne. Doch die Lücke bleibt. «Wir haben zehn Partien, um es wieder spannend zu machen», sagte Brühl-Coach Urs Müller. Klingt nach Kampfeslust, wirkt wie Verzweiflung.

Lizenz-poker hinter den kulissen
Parallel bahnt sich ein Machtspiel an. Kriens, Brühl, Biel-Bienne und der abstiegsbedrohte FC Schaffhausen haben beim Swiss Football League-Hauptsitz bereits die Unterlagen für die Challenge-Lague-Lizenz eingereicht. Formal ein reiner Verwaltungsakt – emotional ein Signal. Wer sportlich aufsteigt, muss wirtschaftlich liefern. Schaffhausen liegt 22 Punkte hinter Kriens, steht aber mit dabei. Der Traditionsklub spielt auf Zeit: Abstieg verhindern, Lizenz sichern, dann mit neuer Saison durchstarten.
FC Biel-Bienne kann bei einem Sieg am Sonntag gegen Bulle auf zwei Punkte an Brühl heranrücken. Die Seeländer haben die beste Defensive der Liga, aber die schlechteste Chancenverwertung der Top-3. Das Paradox könnte den Aufstieg teuer werden.

Was das für die schweiz bedeutet
Die Promotion League wurde zur Entwicklungsliga umbestrickt – mit Nachwuchskadern, strengen Lizenzkriterien und einem Ziel: Schweizer Talente sollen vor Ort Spielzeit erhalten, statt im Ausland auf der Bank zu versauern. Wenn Kriens aufsteigt, wäre das der erste Zentralklub seit Jahren in der zweithöchsten Spielklasse. Ein Erfolgsmodell, das über die Region hinausstrahlt.
Die restlichen zehn Spieltage werden zur Geduldsprobe. Nicht nur für Brühl, auch für die Lizenz-Stewards. Denn wer am Ende die Punkte hat, aber keine Bücher, fliegt trotzdem raus. Die Challenge League will sportliche Qualität – und finanzielle Stabilität. Beides liefert Kriens derzeit. Die Frage ist nur: wie lange noch?
Die Antwort kommt am 30. Mai, wenn der letzte Ball rollt. Bis dahin ist jedes Tor eine Bank – und jede Lizenz ein Trumpf.
