Paul wanner flüchtet vor der dfb-maschine – und lacht plötzlich mit ganz österreich

Die Hymne läuft noch nicht, aber das Herz schlägt schon österreichisch. Paul Wanner, 20, Rekorddebütant von Bayern München, hat den deutschen Fußball hinter sich gelassen und sich beim ÖFB-Teamcamp in Marbella die neue Heimat direkt mal selbst geschneidert. Kein Deal, kein Mediencoup – nur ein Enkel, der endlich wieder Omas Schnitzel essen darf.

Rangnick lockte, oma kochte

Seit 2019 versuchte der ÖFB, das Wunderkind aus dem Allgäu zu überzeugen. Erst Lars Kornetka, dann Ralf Rangnick selbst, ließen keine WhatsApp-Nachricht unbeantwortet. Der DFB war bemüht, aber bemüht reicht nicht, wenn die Großmutter in Dornbirn bereits die Semmelbrösel lockert. „Die Familienseite ist schon eher Österreich“, sagt Wanner und klingt dabei, als hätte er gerade erst gemerkt, dass er nie wirklich Deutschlands Traum war, sondern immer schon der von Wien.

Die WM-Gruppe mit Argentinien, Algerien und Jordanien? Nebensache. „Man darf sich von einem einzelnen Event nicht blenden lassen“, erklärt er, als hätte er die PR-Schleife schon in der Jugend durchgespielt. Das klingt nach Profi, ist aber einfach nur die Wahrheit eines Jungen, der seit seinem 16. Lebensjahr weiß, dass Terminkalender auch Fallen sein können.

15 Millionen transfer – und trotzdem noch jugendlicher

15 Millionen transfer – und trotzdem noch jugendlicher

Die Zahl, die durch die Gazetten geistert, ist 15. So viel soll PSV Eindhoven für Wanner bezahlt haben, nachdem er bei den Bayern nur Kurzeinsätze sammelte. In Eindhoven wurde er zum defensiven Sechser umgeschult, doch im Kopf spielt er weiter die Zehn. „Ich bin ein kreativer Spieler“, sagt er und meint damit, dass er lieben würde, die letzte Idee vor dem Tor zu haben, nicht die letzte Grätsche vor der Abwehr.

Sein erster Kontakt im neuen Team: Marcel Sabitzer. Der Bayern-Kollege rief an, noch bevor die Presse es wusste. Kein Instagram-Post, kein Agentengetöse – nur ein Kumpel, der sagt: „Willkommen daheim.“ Das ist die Art von Chemie, die Rangnick sich für sein Projekt wünscht. Und die Wanner spürt, seit er das erste Mal mit dem ÖFB-Logo auf der Brust schwitzt.

Testspiel gegen ghana – erste echte prüfung

Testspiel gegen ghana – erste echte prüfung

Freitag, 18.00 Uhr, Ernst-Happel-Stadion. Wanner könnte direkt starten. „Wir müssen uns nicht verstecken“, sagt er und klingt dabei wie ein Junge, der gerade erst gemerkt hat, dass die österreichische Startelf genauso viel Potenzial hat wie die deutsche, nur weniger Ballast. Die Fans werden ihn feiern, egal ob Einwechselspieler oder von Anfang an – schließlich ist er ihr Eigengewächs, das der große Nachbar nicht mehr brauchte.

Rangnick hofft, dass Wanner nicht nur mit dem Ball umgehen kann, sondern auch mit der Erwartung. Denn der 67-Jährige weiß: Wenn das Projekt nach der WM scheitert, fliegt nicht nur er, sondern auch das Versprechen, dass Österreich künftig Talente nicht mehr nach München, sondern nach Wien lotsen kann. Wanner ist Versprechen und Versuch zugleich.

Am Ende des Medientermins bleibt ein Satz hängen, kein PR-Sprecher hätte ihn so hingekriegt: „Ich bin gerne in Österreich.“ Einfach so. Keine Show, keine Kampagne – nur ein Spieler, der endlich wieder lächeln darf, weil er spürt, dass das Herz nicht lügt. Und wenn am Freitag das Schnitzel nach dem Spiel schmeckt, ist die Mission längst erfüllt. Der Rest ist nur noch Fußball.