Pau navarro erobert villarreals abwehr im sturm – 20-jahre und schon der boss

Er kam, sah und verdrängte Millionen-Einkäufe. Pau Navarro, 20, Jugendprodukt, taucht plötzlich als Chef der gelben Abwehr auf – und macht die Verletztenliste des FC Villarreal nebensächlich.

Die gelegenheit klopfte – navarro machte auf

Kambwala, Costa, Foyth: allesamt ausgefallen. Statt Chaos herrscht Ordnung, weil Navarro seit fünf Wochen die Lücke mit Kopfballglanz und Passgenauigkeit stopft. Gegen Real Sociedad landete seine Zweikampfquote bei 82 %, ein Wert, den kein Villarreal-Verteidiger in dieser Saison übertraf.

Marcelino gab ihm beim 1:0-Sieg in San Sebastián 90 Minuten, keine Kritik, nur Lob. „Er spielt, als hätte er zehn Jahre Erstliga-Erfahrung“, sagte der Coach. Der Trainer weiß, wovon er spricht – er hatte Navarro vor zwölf Monaten in La Cerámica debütiert, damals 19 Jahre alt, null Nerven.

Mourinho-anlauf statt startelf – wie navarro sich freikämpfte

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Anfang August rückte der portugiesische Neuzugang Mourinho an die Rechtsverteidiger-Position, Navarro rutschte auf die Bank. Viele Talente verloren hier die Orientierung. Navarro nicht. Er schuftete im Leistungszentrum, legte drei Kilo Muskelmasse zu und studierte Videos von Puyol und Ayala. Als Foyth im Oktober einen Kreuzbandriss erlitt, war der 1,86-Meter-Mann bereit.

Seitdem kassierte Villarreal nur noch vier Gegentore in sieben Partien. Der Klub springt auf Rang drei – Champions-League-Rückkehr realistischer als seit drei Jahren.

Navarro selbst redet klein: „Ich lebe einen Traum, mehr nicht.“ Dabei hat er bereits 1.179 Minuten in LaLiga absolviert, mehr als alle anderen U-21-Spieler des Klubs zusammen. Seine Familie sitzt bei jedem Heimspiel auf Tribüne Nord, Block 14 – dieselben Plätze, auf denen er als Kind mit Schal und Trommel stand.

Champions league? „dritter platz schmeckt besser als vierter“

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Navarro nimmt die Kalkulation gleich mit. Drei Punkte Vorsprung auf Real Madrid, fünf auf Real Sociedad. „Je größer die Lücke, desto weniger Drama im Mai“, sagt er und meidet das Wort Qualifikation, weil es klingt, als würde man noch betteln. Er will gewinnen, nicht hoffen.

Die sportliche Leitung plant bereits die nächste Transfersaison. Gespräche mit Agenten laufen, doch intern heißt es: Wer hinten kauft, muss Navarro erst mal verdrängen. Keine leichte Aufgabe – der Youngster trainiert nach Schlusspfiff noch 20 Minuten Kopfball, jeden Tag.

Villarreal investierte 42 Millionen Euro in neue Verteidiger. Die beste Abwehr der Rückrunde kostet gerade einmal 0 Euro Ablöse. Manchmal lohnt sich das Scouting eben im eigenen Keller.