Jaime alcaraz schlägt zu: der 14-jährige, der wie carlitos spielt
Murcia wacht wieder mit einem Alcaraz-Sieger auf. Diesmal steht nicht Carlos im Rampenlicht, sondern Jaime, 14 Jahre, Bruder, Spiegelbild. Am Sonntag fegte er im Finale des U15-Challengers durch Rodrigo Burgos hindurch – 6:3, 6:1, kein Satzverlust, keine Gnade.
Der schlag, der wie carlitos klingt
Die Zuschauer murmelten schon nach dem ersten Return. Die Aufschlagrotation, das frühe Betreten des Courts, der brutale Topspin – alles da, nur eine Nummer kleiner. Ramón, der Jugendcoach, pfeift von der Seitenlinie, während Carlos Alcaraz Sr. die Arme verschränkt hinter der Bande steht und nickt. Er hat den Plan geschrieben: Technik des Weltklasse-Bruders, aber in Tempo reduziert, damit das Gelenk mit 14 nicht explodiert.
Die Zahlen sprechen für sich: 24 Gewinner, 8 unerzwungene Fehler, 76 % erster Aufschlag. Burgos, sonst ungeschlagen auf regionaler Ebene, sah nach 52 Minuten aus, als hätte er gegen einen gealterten Carlos gespielt.

Das handy des weltmeisters als druckmittel
Keine zwei Stunden nach dem Match kursiert das Video schon in den Junioren-WhatsApp-Gruppen. Carlos selbst hat es aufgenommen, während er in Barcelona zwischen ATP-Terminen hängenblieb. Er filmte Jaimes Vorhand-Longline, zoomte auf den Treffpunkt, schickte es an den Familienchat mit dem Kommentar: „Schneller als meiner damals.“ Die Motivation funktionierte wie ein Turbo.
Der ältere Bruder weiß, wie schnell Murcia erzählt. 2022 standen beene Brüder im Doppel in Athen, IMG Future Stars, 4:6, 6:3, [10:5] gegen griechische Junioren. Das war kein PR-Gag, sondern ein Testlauf. Carlos servierte, Jaime attackierte das Netz – und ließ die Rückhand nicht ein einziges Mal hängen.
Nun steht 2025 vor der Tür. Carlos hat bereits sieben Grand-Slam-Titel, Jaime noch keinen ATP-Punkt. Aber der Verband hat schon ein Wildcard-Kontingent freigemacht, falls der Jüngere mit 16 in die Qualifikation eines 250ers schlüpfen will. Die Physiologen von Ferrero Sports Academy arbeiten mit Growth-Sprechstunden: Kein Gewichtheben vor dem 16. Geburtstag, dafür Coordination Drills mit Reaktionsbällen, die wie Flugzeuge abspringen.
Der Vater betont, dass kein Zeitplan existiere. Doch wer die Trainingseinheiten beobachtet, spürt die innere Uhr: In zwei Jahren soll Jaime die ATP-Bubble erreichen, bevor Carlos vielleicht 25 Grand-Slam-Titel hat und nachlässt. Dann würde das Narrativ passen – und das Marketing auch.
Bis dahin bleibt Murcia der Schauplatz. Das Clubhaus von Club de Tenis Las Conchas hängt schon ein neues Banner: „Jaime, nächstes Jahr Challenger-Pro.“ Die Kids auf den Nebenplätzen üben nicht mehr den Federer-Slice, sondern den Alcaraz-Kick, nur mit mehr Oberarm und noch mehr Spin.
Donnerstag steht das nächste Turnier an. Jaime trifft auf einen 15-jährigen Spanier, der schon 1,90 m misst. Keiner fragt mehr, ob er gewinnt – nur wie deutlich. Die Wette im Ort: Er wird nicht einmal aufstehen müssen, wenn er mal zwei Breaks zurückliegt. Er spielt eben wie Carlitos, nur ohne das Zögern, das der Große manchmal zeigt, wenn der Court ihn langweilt.
Die Geschichte wiederholt sich, nur schneller. Und diesmal steht das Murcianer Publikum schon bereit, die Kamera-Handys aufzeichnend, um das nächste Viral-Video zu produzieren – bevor es die ATP tut.
