Paris fegt zum saisonfinale: odermatts letzte lücke bleibt offen

Dominik Paris hat das letzte Rennen der Abfahrts-Saison 2025/26 in Lillehammer gewonnen – 0,19 Sekunden vor dem Schweizer Aufsteiger Franjo von Allmen. Für Marco Odermatt bleibt die Olympiabakken ein ungeliebter Ort: Rang sieben, keine Sieg-Chance, trotz bereits gesicherter Gesamtweltcup-Kugel.

Der alte löwe und der nachwuchs

Die 36-jährige italienische Abfahrts-Legende Paris fuhr am Samstag eine Linie, die man sonst nur aus Lehrbüchern kennt: flach einsetzen, spät buttern, Energie sparen. Sein 25. Weltcup-Sieg kommt zur rechten Zeit – Vertragspoker bei Dolomite-Ski laufen bereits. Dahinter lieferte von Allmen den Beweis, dass die Schweizer Speed-Offensive nicht nur auf Odermatt basiert. «Ich wusste, dass ich es kann. Heute habe ich’s bewiesen», sagte der 23-Jährige, während ihm die Tränen kamen – vor Glück oder wegen des Eises im Wind.

Vincent Kriechmayr komplettierte das Podest. Er feierte sich selbst als «besten österreichischen Stilfahrer», wobei die Konkurrenz in der heimischen Speed-Blase ohnehin schwindet. Die deutsche Abfahrtstruppe? Gar nicht erst am Start. Kein Athlet erfüllte die Quali-Kriterien – ein Armutszeugnis für den DSV, der seit Romed Baumanns Abschied auf dem Papier nur noch Luis Voigt und dessen Kreuzband als Hoffnungsträger hat.

Hintermanns letzte fahrt mit offenem visier

Hintermanns letzte fahrt mit offenem visier

Die wahre Geschichte des Tages schrieb aber Niels Hintermann. Der Schweizer, der nach seiner Krebserkrankung zurückkehrte, fuhr als letzter Starter seine letzte Rennfahrt. Kein Druck, keine Punkte, nur pure Emotion. Er öffnete das Visier, ließ sich den Wind um die Ohren pfeifen und schwenkte vor der Ziel-Linie die Arme hoch – 107 Weltcup-Starts, drei Siege, ein Abschied wie aus dem Bilderbuch. «Ich nehme die Abfahrt mit, nicht die Krankheit», sagte er im Ziel, Sektdusche inklusive.

Für Paris ist der Sieg ein Befreiungsschlag, für von Allmen der Startschuss in eine neue Ära. Odermatt dagegen muss sich fragen lassen, warum seine Speed- Hausaufgaben gerade dann haken, wenn die Saison auf der Zielgeraden ist. Die Antwort wird ihn auf der Sommerpiste in Sölden erwarten – in sieben Monaten geht’s von vorn los.