Paralympics milano cortina: diese 655 athleten schreiben geschichte

Oksana Masters wurde mit Schwimmhäuten zwischen den Fingern geboren, ohne Daumen, mit einer kürzeren linken und beiden Beinen ohne Schienenbein. Ihre Mutter war nach Tschernobyl Strahlung ausgesetzt. Heute ist sie die erfolgreichste Athletin unter den 655 Starterinnen und Startern der Paralympischen Winterspiele in Mailand, Cortina und Tesero — mit 19 Medaillen aus sieben Paralympischen Spielen, neun davon aus Gold. Das ist keine Sportlergeschichte. Das ist ein Lebenswerk.

Wenn zahlen allein nicht ausreichen

Die 14. Ausgabe der Winter-Paralympics hat offiziell begonnen, und wer glaubt, es gehe hier nur um Ergebnisse und Zeiten, hat die falsche Veranstaltung eingeschaltet. Hinter jedem der 655 Athleten steckt eine Biografie, die die meisten Sportnachrichten des Jahres in den Schatten stellt. Declan Farmer etwa. Er kommt zu seiner vierten Paralympiade, wurde mit bilateraler fibularer Hemimelie geboren, verlor seine Beine als Kleinkind durch Amputation — und entdeckte Para-Eishockey im Krankenhaus. Heute gilt er als der dominierende Spieler der Welt in dieser Disziplin, hat mit den USA drei paralympische Goldmedaillen und fünf Weltmeistertitel geholt.

Dann ist da Ralf Etienne. Haiti, 2010. Das Erdbeben hängte ihn acht Stunden lang kopfüber aus dem vierten Stock. Er verlor ein Bein. Jahre später entdeckte er den Skisport. Jetzt steht er in Mailand am Start.

Die familie, die ein ganzes land schlug

Die familie, die ein ganzes land schlug

Das Team Aigner aus Österreich ist ein Phänomen für sich. Fünf Geschwister, eine Bergbauernfamilie, und ein Medaillenspiegel aus Peking 2022, der Nationen blass werden lässt: vier Gold, zwei Silber, zwei Bronze. Johannes ist der härteste Konkurrent des Italieners Giacomo Bertagnolli. Barbara und Veronika — geführt von ihrer Schwester Elisabeth — werden es mit den Italienerinnen Chiara Mazzel und Martina Vozza aufnehmen. Was diese Familie im alpinen Behindertensport aufgebaut hat, sucht seinesgleichen.

Jesper saltvik pedersen und der käse, der geschichte machte

Jesper Saltvik Pedersen, geboren am 23. August 1999 in Haugesund, Norwegen, gilt als einer der besten Sitting-Skier der Welt. Spina bifida, Lähmung von der Hüfte abwärts — er wuchs trotzdem in einer sportbegeisterten Bergfamilie auf und wurde Weltrekordhalter. Was ihn aber wirklich auszeichnet: Im Jahr 2021 versteigerte er fünf Kilogramm Käse, den er als Weltcup-Preisgeld erhalten hatte, um auf die krasse Ungleichheit zwischen Athleten mit und ohne Behinderung aufmerksam zu machen. Kein Pressegespräch hätte lauter gesprochen.

Oksana Masters bringt es auf den Punkt, wenn sie über Verletzungen und Operationen auf dem Weg nach Mailand sagt: „Sie können meinen Weg prägen, aber ich will nicht, dass sie sein Ende sind.