Paralympics: mazzel jagt medaille nummer vier – aigner fliegt vorbei

Die Schwedin Aarsjoe kommandiert, die Österreicherin Aigner donnert. Im sechsten Wettkampftag von Milano 2026 zieht der Riesenslalom der Frauen die erste Blutspur – und Chiara Mazzel liegt nach Lauf eins 3,02 Sekunden zurück. Das klingt nach Vorsprung, ist in Wirklichkeit ein Mammutloch.

Gold schon vor dem zweiten lauf verteilt?

Veronika Aigner stoppte die Uhr bei 1:07,09 Minuten. Für die AS3-Klasse ein Wert, der selbst im Weltcup Seltenheitscharakter hat. Die 24-Jährige fuhr nicht einfach schnell, sie fuhr präzise: keine Schwünge zu weit, keine Kante zu spät. Dahinter beginnt die Kluft. Chiara Mazzel, bisherige Italien-Hoffnung, rangiert mit 1:10,11 auf Platz zwei. Ihre Führung über die Guide-Führung war sauber, doch sie verlor Zeit im Mittelstück – jene Passage, in der Aigner geradezu tanzte.

Martina Vozza und ihre Guide Ylenia Sabidussi folgen auf Rang sechs. 7,54 Sekunden Rückstand bedeuten im Slalom fast eine Ewigkeit. Vozza selbst nahm’s sportlich: „Ich habe in den Wellen zu viel Schwung verloren. Morgen ist neu, aber heute zählt nur der zweite Lauf.“ Die zweite Runde startet um 12.30 Uhr – Schnee soll gleich bleiben, Temperatur auch. Ein kleiner Vorteil für die Jägerinnen, falls sich die Piste nicht zusetzt.

Italiens herren verzichten auf risiko

Während die Damen kämpfen, bereiten sich die Azzurri-Männer auf den morgigen Riesenslalom vor. Trainer Luca Lacedelli ließ alle Athleten außer René De Silvestro trainieren. Der Tiroler ruht aus – taktische Pause vor dem eigenen Monster-Programm. De Silvestro selbst zeigte sich gelassen: „Piste gefällt mir, Schnee ist stabil. Wer hier technische Fehler macht, fliegt raus. Ich will nicht rausfliegen.“

Das gilt auch für das Sitting-Rennen, das ebenfalls am Vormittag begann. Ohne italienische Starterinnen bleibt der Fokus auf der Standing-Klasse – und auf Aarsjoe. Die Schwedin liegt vor der Russin Voronchikhina und der Französin Richard. Doch ihre Vorsprünge sind klein, ein Sturz genügt und die Medaillenfarben verschieben sich.

Parallel dazu laufen die Vorbereitungen für Curling und Para-Eishockey. Das Mixed-Curling-Team trifft um 13.35 Uhr auf Lettland und abends auf Südkorea. Beide Partien gelten als Vorentscheidung fürs Halbfinale. Im Para-Ice-Hockey fordert Italien um 19.05 Uhr Japan heraus. Die Partie entscheidet, ob die Azzurri um Platz fünf oder sieben weiterspielen – ein kleines Finale mit großer Symbolik nach dem Viertelfinal-Aus.

Die medaillenbilanz nach sechs tagen

Bisher holte das italienische Team fünf Podestplätze, drei davon Gold. Sollte Mazzel aufholen, wäre es die vierte Gold-Performance – und die erste in einem technischen Disziplin-Wettbewerb. Die Quote liegt bei 20 Prozent aller bisherigen Medaillen. Das Ziel laut Verband: zehn Podestplätze bis Schlusspfiff. Dafür muss heute mindestens eine Medaille her. Die Chancen stehen 50:50 – und sie hängen an einer einzigen Fahrt, zweimal 45 Sekunden, 45 Tore, 45 Herzschläge.

Die Uhr tickt. Die Piste glänzt. Und im Ziel wird sich zeigen, ob 3,02 Sekunden wirklich unüberwindlich sind – oder nur eine Zahl, die man in Italien schon beim Frühstück vergessen will.