Paralympics 2026: fügenschuh debütiert, forster jagt gold – heute wird's heiß
Donnerstag, 12. März, 8:36 Uhr: Der sechste Wettkampftag in Mailand/Cortina rückt zwei Gesichter in den Fokus – ein Teenager, die noch keine Sekunde paralympische Erfahrung hat, und eine Routinierin, die schon Gold um den Hals trägt. Maya Fügenschuh startet im Riesenslalom der Sehenden, Anna-Lena Forster will nach Gold in der Abfahrt und Silber in der Super-Kombi jetzt den Slalom krönen. Die deutsche Delegation schielt auf die nächste Medaille – und das Eishockey-Team auf den ersten Sieg.
Fügenschuh und holzmann: 17 jahre, sechs prozent sehvermögen, 100 prozent nerven
Mit gerade einmal 17 Jahren steht die Starnbergerin vor ihrer Premiere. Sehbehinderung: nur sechs Prozent Restvisus. Begleitläuferin Johanna Holzmann wird ihre Stimme, ihre Augen, ihr Orientierungspunkt. „Du musst mir vertrauen, mehr noch als dir selbst“, sagte Holzmann vor dem Rennen. Die Piste in Cortina gilt als technisch anspruchsvoll – ein kleiner Fehler reicht, um aus Medaillen Hoffnung nur mehr Edelmetall-Sehnsucht zu machen. Die erste Startgruppe geht um 9 Uhr, der zweite Lauf folgt um 12:30 Uhr.
Dahinter lauert Anna-Lena Forster. Die 28-jährige Baden-Württembergerin fuhr in Sotschi 2014 noch Bronze, jetzt ist sie Favoritin. Ihre Formkurve zeigt steil nach oben: Gold in der Abfahrt, Silber in der Super-Kombination. Im Riesenslalom ist sie sitzend unterwegs – und damit schneller als viele Konkurrentinnen, die auf zwei Beinen stehen. Andrea Rothfuss und Anna-Maria Rieder komplettieren das deutsche Trio in der stehenden Klasse. Drei Startklassen, ein Ziel: Podest.

Eishockey-team vor schicksalsspiel – slowakei droht, traum platzt
14:30 Uhr, Eisarena Cortina: Für Deutschlands Para-Cracks geht es ums Weiterkommen – oder um die Blamage. Drei Vorrunden-Niederlagen stehen im Protokoll: gegen China, gegen die USA, gegen Gastgeber Italien. Nur ein Sieg gegen die Slowakei rettet in das Spiel um Platz fünf, bei einer Niederlage droht das kleine Finale um Rang sieben. Bundestrainer Peter Willmann schwört die Mannschaft auf die Revanche ein: Bei der WM 2025 gewann Deutschland 5:2. Doch die Slowaken haben sich umgestellt, ihre NHL-erfahrenen Verteidiger wirbelten zuletzt durch die Gruppenphase. Die deutsche Offensive um Kapitän Udo Segreff muss Tore liefern – sonst wird’s eng.
Die Stimmung im Lager? „Wir haben nichts zu verlieren“, sagt Stürmer Bernhard Hering. Die Wahrheit ist: Die Medaillenhoffnung ist längst geplatzt, aber die Ehre steht auf dem Spiel. Das letzte Aufgebot bekommt Live-Backup im Ersten – und in den sozialen Netzwerken wächst der Druck: #Deutschland5platz trendet seit Mitternacht.

Medaillen-stand und blick nach vorn
Deutschland liegt mit vier Gold, drei Silber und zwei Bronze auf Rang fünf im Medaillenspiegel. Die Ukraine führt, gefolgt von China und den USA. Heute können zwei weitere Edelmetalle dazukommen – oder das Eishockey-Team rutscht ab. Die Konkurrenz schläft nicht: Im Biathlon-Sprint der Männer geht der Norweger Nils-Erik Ulset als Favorit ins Rennen, im Langlauf-Sprint der Frauen will die US-Amerikanin Oksana Masters nach Gold in der Langdistanz das Double perfekt machen.
Für die deutsche Delegation ist der Donnerstag ein Mikrokosmos der Spiele: neue Sterne, alte Stars, drohende Enttäuschungen. Um 17:15 Uhr ist alles entschieden – dann steht fest, ob Forster Gold Nummer zwei holt, ob Fügenschuh überraschend auf dem Podest landet – und ob das Eishockey-Team endlich jubelt oder die Heimreise plant. Die Uhr tickt. Die Piste ruft. Die Scheibe wartet.
