Paderborn verspielt den sprung an die spitze – 90. minute verrät die ganze wahrheit

Der SC Paderborn stand eine Handbreit vor der Tabellenspitze, doch Arminia Bielefeld riss die Ostwestfalen in der Nachspielzeit zurück auf den Boden der 2. Bundesliga. Das 2:2 (0:1) im Bielefelder Alm kostet mehr als zwei Punkte – es kostet Nerven, Atem und vielleicht den Aufstieg.

90. Minute: corboz trifft, paderborn stolpert

Mael Corboz trat an, zog den Arm hoch, schob den Ball ins linke Eck – und zerstörte mit einem einzigen Schritt die Illation von 14.000 mitgereisten Paderborn-Fans. Der Foulelfmeter war korrekt, weil Jamil Siebert im Strafraum zu spät kam. Doch die Szene offenbart ein anderes Problem: Paderborn verspielt eine Führung, die schon sicher schien.

Stefano Marino hatte mit seinem Doppelpack (53., 62.) die Partie gedreht, nachdem Joel Grodowski die Hausherren früh mit einem Kopfball aus fünf Metern in Führung geschossen hatte. Marino traf einmal per Abfälscher, einmal per Direktnahme – beide Male war Arminias Abwehr einen Schritt zu spät. Die Gäste wirkten plötzlich wie ein Aufstiegskandidat, der es gelernt hat, Spiele zu drehen.

Bielefeld kassiert, aber kämpft

Bielefeld kassiert, aber kämpft

Die Arminia steckte tief im Tabellenkeller, hatte drei Niederlagen am Stück eingesteckt und wirkte vor allem in der ersten Hälfe wie ein Team, das die Frage nach dem Warum verloren hat. Doch nach dem 1:2 schaltete Uwe Koschinat um: Dreifachwechsel, neue Formation, mehr Druck. Die Hereingaben wurden flacher, die Läufe schneller – und Paderborn plötzlich passiv.

Kurz vor Schluss flankte Fabian Kunze von rechts, Corboz blieb im Rücken von Jannik Huth cool. Der Schlusspfiff folgte Sekunden später. Die Arminia jubelte wie nach einem Sieg, Paderborn stand mit leeren Händen da.

Die Zahlen sind hart: Paderborn verpasst den Sprung auf Platz eins, bleibt vorerst Dritter und kann am Sonntag durch die Konkurrenz sogar auf Platz fünf rutschen. Bielefeld klettert auf Platz 15, nur zwei Punkte über dem Relegationsplatz. Die Saison ist noch lang, aber der Schock sitzt tief.

Trainer Ralf Kettemann sprach nach Abpfiff von „ zwei Punkten verschenkt“, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Paderborn hat die Lektion gelernt, dass eine Führung in der 2. Liga keine Versicherung ist – und dass eine einzige Minute reicht, um Träume platzen zu lassen.