Padel-boom in nrw: chance für tennis oder gefahr?

Die Tennishallen schließen, neue Padel-Hallen sprießen aus dem Boden – in Nordrhein-Westfalen tobt ein regelrechter Padel-Boom. Doch was bedeutet das für den Tennissport? Ist es eine Chance, neue Mitglieder zu gewinnen, oder eine Bedrohung für die etablierten Vereine? Ein Blick auf die Entwicklungen und die Meinungen der Akteure.

Der padel-hype: mehr als nur ein trend

Alex Kautz, ein Kölner Tennisspieler seit 42 Jahren, kennt das Problem: Achillessehnenprobleme schränken seine Möglichkeiten auf dem Tennisplatz ein. Doch er fand eine Alternative – Padel. "Ich habe zum ersten Mal vor zwölf Jahren auf Mallorca Padel gespielt und war sofort begeistert", erzählt er im Gespräch mit dem WDR. Und Kautz ist nicht allein. In den letzten Jahren hat sich die Popularität von Padel explosionsartig gesteigert. Laut "Padelfinder" stieg die Anzahl der Padelcourts von rund 70 im Jahr 2020 auf über 1.200 im vergangenen Jahr – und der Trend geht weiter. NRW ist dabei führend, mit zwischen 250 und 500 Courts.

Tennisvereine profitieren – oder verlieren mitglieder?

Tennisvereine profitieren – oder verlieren mitglieder?

Viele Tennisvereine haben die Chance erkannt und ihr Portfolio um Padel erweitert. Carmen Herrscher, Sportwartin beim größten Tennisverein in Düsseldorf, TG Nord, erklärt: "Tennis und Padel gehen Hand in Hand. Es ist nicht so, dass weniger Leute Tennis spielen, weil mehr Leute Padel spielen." Tatsächlich hat die TG Nord durch die Einführung von Padel ihre Mitgliederzahl von 500 auf 1.200 fast verdoppelt. Auch Erik Graw, der Vorsitzende, bemerkte früh das Potenzial und ließ eine Padel-Abteilung gründen.

Der kommerzielle druck: tennishallen weichen padel

Der kommerzielle druck: tennishallen weichen padel

Doch nicht überall sieht die Situation so rosig aus. Im kommerziellen Bereich gibt es bereits Verlierer. In Kleve wurde 2024 die Tennishalle "Rainbow" geschlossen, um Platz für eine Padel-Halle zu machen. Auch in Düren verschwindet derzeit eine Tennishalle zugunsten von Padel. TVM-Präsident Utz Uecker äußert seine Sorge: "Wir hoffen, dass möglichst wenig kommerzielle Tennishallen umgewandelt werden." Die Wirtschaftlichkeit spricht klar für Padel: Ein Padelcourt benötigt weniger Fläche und ist kostengünstiger in der Pflege als ein Tennisplatz. Kautz verdeutlicht: "Niemand, der wirtschaftlich denkt, beschäftigt sich aktuell mit dem Neubau von Tennisplätzen." Die Flächeneffizienz und die geringeren Betriebskosten machen Padel für Investoren attraktiv.

Ein sport für jedermann?

Ein sport für jedermann?

Padel ist leicht zu erlernen und macht viel Spaß, so Herrscher. Es wird immer zu viert gespielt, was den geselligen Faktor erhöht. Der Sport kommt ursprünglich aus Spanien und vereint Elemente von Tennis und Squash. Gespielt wird mit einem Tennisball auf einem 10x20-Meter großen Feld, das von Glaswänden umgeben ist. Der Ball darf über die Wände gespielt werden, muss aber vorher einmal auf dem Boden aufkommen. Der Deutsche Tennis-Bund (DTB) hat den Tennisverband Mittelrhein (TVM) sogar beauftragt, Padel-Trainer auszubilden, um den steigenden Bedarf zu decken.

Ob der Padel-Boom eine Eintagsfliege ist, bleibt abzuwarten. Doch eines ist klar: Padel hat den deutschen Sportmarkt aufgerüttelt und bietet Tennisvereinen und -spielern die Chance, sich neu zu erfinden – oder zu verlieren. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2026 gibt es in NRW mehr Padel- als Tennisplätze. Ein Trend, der sich voraussichtlich fortsetzen wird.