Paco jémez schlägt in london ein: west ham atmet dank des 'paco hammer' wieder auf
Elf Spiele, zwei Niederlagen – und plötzlich ist West Ham wieder in der Erfolgsspur. Der Mann, den die Fans liebevoll Paco Hammer nennen, sitzt nicht einmal auf dem Cheftrainerstuhl, doch seit er an der Seite von Nuno Espírito Santo aufgetaucht ist, läuft es beim Klub aus dem East End wie geschmiert.
Der Spanier Paco Jémez, früher selbst Bundesligatrainer bei Rayo Vallecano und Grasshopper Club Zürich, ist als Co-Trainer nach London gekommen – und das ausgerechnet, nachdem er in Spanien in der Primera RFEF (der dritten Liga) gearbeitet hatte. Ein Sprung, wie er im Fußball nur selten gelingt: vom Amateurbetrieb direkt in die Premier League.
Der anruf, der alles veränderte
„Nuno rief mich an, als die Lage beim West Ham richtig düster war“, erzählt Jémez. „Sieben Punkte Rückstand auf Nottingham Forest, das Stadion voller Frust, die Mannschaft am Boden.“ Der Portugiese habe sich bewusst jemanden von außen gewünscht – unbelastet, unverdrossen, mit frischen Ideen. „Er wollte keinen klassischen Assistenten, sondern einen Freund, der ihm hilft, das Boot wieder herumzureißen.“
Jémez sagte sofort zu – trotz Sprachbarriere, trotz Unsicherheit über seine neue Rolel. „Ich war jahrelang Cheftrainer, plötzlich bin ich zweite Geige. Aber wenn dich ein Kumpel anruft und sagt: ‚Ich brauche dich‘, dann packst du an.“

Chaplin statt shakespeare: so überzeugte er die stars
Englisch? „Ich spreche wie Tarzan“, lacht Jémez. „Aber die Jungs verstehen mich. Und ich bringe ihnen stattdessen Spanisch bei.“ Seine Art, direkt, locker, mit augenzwinkernder Selbstironie, habe die Spieler schnell für sich eingenommen. „Ich bin kein Taktik-Nerd, ich bin ein Gefühlsmensch. Und genau das brauchte dieses Team nach dem schrecklichen Start.“
Die Zahlen sprechen für sich: Unter Jémez’ Einfluss holte West Ham 23 Punkte aus elf Partien. Nur gegen Arsenal und Brighton gab es Niederlagen. Die FA-Cup-Hoffnung lebt, der Abstiegskampf ist so gut wie gewonnen. „Natürlich bin ich kein Zauberer“, sagt Jémez. „Aber manchmal reicht ein neuer Wind, um eine Dynamik umzukippen.“

Die fans feiern ihren 'paco hammer'
Im Umfeld von West Ham wird der Spanier inzwischen frenetisch gefeiert. Chöre, Fahnen, ein eigenes Lied. „Paco Hammer“ – eine Hommage an die Kult-Hammer-Fanszene des Klubs und an Jémez’ Nachnamen. „Das ist kein Spitzname, das ist eine Liebeserklärung“, sagt er sichtlich gerührt. „Ich bin 55, ich habe fast alles gesehen im Fußball – aber so etwas noch nie.“
Ob er bleibt? „Ich weiß es nicht. Ich helfe einem Freund, mehr nicht. Aber wenn sich eine Tür aufmacht, werde ich sie nicht zufallen lassen.“ Die Premier League habe ihn infiziert. „Das Tempo, die Atmosphäre, die Rivalität – das ist ein Drogencocktail für jeden Trainer.“
Während die Saison auf die Zielgerade zusteuert, ist eines sicher: West Ham hat seinen Glauben zurück – und mit ihm einen Mann, der aus der dritten Liga kam und jetzt in London mitmischt. Manchmal genügt ein Anruf, um das eigene Leben auf den Kopf zu stellen. Paco Jémez weiß: „Im Fußball weißt du nie, wo du landest. Aber manchmal landet genau da, wo du gebraucht wirst.“
