Orkanböen stoppen königsetappe – vallter verwehrt dem favoritenfeld den showdown
Der Wind schrie, die Sturzflut peitschte über den Pyrenäengipfel, und mit einem Federstrich strich die Organisatoren das Spektakel vom Programm, auf das 100 Tage vor der Tour de France halb Europa gewartet hatte. Statt 2.143 Meter auf Vallter setzt die Katalonien-Rundfahrt nur noch 151 flache Kilometer bis Camprodòn – und überlässt das Feld einer Machtprobe gegen die Elemente statt gegen sich selbst.

Evenepoel und vingegaard bleiben trotz attacke auf lebenszeit
Der Brite Ethan Vernon raste ins Ziel, feierte den zweiten WorldTour-Erfolg seiner Karriere – und wurde prompt zur Fußnote. Denn die Frage, die durch Lager und Busfahrer kreiste, lautete: Wer hätte auf dem steilen Schlussanstieg die Favoritenfresse gerissen? Remco Evenepoel und Jonas Vingegaard hatten sich am Vortag bereits mit einer Tempoverschärfung bei Kilometer 80 in die Berge verabschiedet wollen, bis Evenepoel im letzten Kreisverkehr auf glatten Kopfsteinen umklatschte. Der Belgier fuhr mit zerschlagenem Ellbogen weiter, liegt nun Gesamtdritter – und wartet auf Revanche.
Der Deutsche Florian Lipowitz büßte gegen den Wind keine Sekunde ein, bleibt in Schlagdistanz zu Dorian Godon, der mit zwei Etappensiegen die Führung festigt. Was auf dem Papier nach Ausgleich klingt, ist im Fahrerfeld ein Pulverfass: Freitag geht’s auf den Coll de Pal, Samstag zum Santuari de Queralt. Dort, wo die Profile rot aufleuchten, wird der Wind nur noch Kulisse sein – die Beine übernehmen das Kommando.
Die Entscheidung, die Königsetappe abzukürzen, fiel um 9:23 Uhr, als die Wetterstation an der Bergstraße Böen von 92 km/h meldete. Ein einzelner Zuschauer, der trotzdem den Gipfel erklimmen wollte, musste von der Mossos d’Esquadra abgefangen werden. Die Bilder des leeren Ankunftsbogens gehen um die Welt – ein Reminder daran, dass selbst die bestgeplanten Rennpläne im Pyrenäenhochland nur Papier sind.
Für die Veranstalter bleibt ein veritabler Imageschaden. Vallter 2000 war als TV-Kulisse angepriesen, mit Helikameras und 360-Grad-Rundumblick auf die Gipfelkette. Stattdessen lieferten die Übertragungswagen Minutenlang Aufnahmen von flatternden Barrieren und fliegenden Co2-Patronen. Die WorldTour zählt Katalonien zu den „harten“ Tests vor der Tour – doch was nützt das Ranking, wenn die Athleten die Berge nur noch aus dem Busfenster sehen?
Die gute Nachricht: Der neue Kalender bietet Ersatz. Auch 2026 kehrt die Rundfahrt nach Australien und China zurück, wo Sturmwarnungen eher die Ausnahme sind. Bis dahin bleibt den Stars nur eins: sich an die Kette hängen und hoffen, dass die Berge am Wochenende nicht ebenfalls die Segel streichen. 47 Sekunden trennen Godon von Evenepoel, 1:12 Minuten von Lipowitz – ein Ruck, und die Gesamtwertung steht Kopf. Wer jetzt noch zögert, hat in drei Tagen den Titel weggepustet.
