Olympia-fünfte tiedtke enthüllt herzzerreißende details zum tod ihres sohnes
Berlin – Der Schmerz sitzt tief: Susen Tiedtke, ehemalige Weitspringerin und Olympiafünfte von Sydney 2000, hat sich nun in einem Gespräch mit Bild äußerst offen über den Tod ihres 17-jährigen Sohnes geäußert. Ein Jahr ist vergangen, seit der Verlust ihre Welt erschütterte, doch die Fragen und der Vorwurf an sich selbst sind noch immer präsent.
Die letzte nacht und die schreckliche entdeckung
Nach einer langen Nacht, in der ihr Sohn am Computer vertieft war, fand Tiedtke ihn am nächsten Morgen leblos in seinem Zimmer. „Ich bin dann hoch, habe geklopft, auch gerufen, aber keine Reaktion“, schilderte die 57-Jährige. Die Tür, abgeschlossen von ihrem Sohn, musste mit vereinten Kräften der Tochter geöffnet werden. „Er lag im Bett, als würde er friedlich schlafen. Aber als ich ihn berührte, war er schon steif und kalt, blau an den Waden. Das war ein krasser Schock. Mir war sofort klar, was los war“, erinnert sie sich mit zitternder Stimme.

Ein übersehenes warnsignal?
Die Obduktion ergab eine schwere Herzentzündung. Doch Tiedtke gesteht sich nun vor, die Beschwerden ihres Sohnes übersehen zu haben. „Monate vorher hatte er Schmerzen im Herzbereich. Ich wollte mit ihm zum Arzt, er nicht, und nach zwei Tagen waren die Schmerzen wieder weg“, erklärt sie. Sie hatte es als Wachstumsschmerz abgetan – ein Fehler, der sie bis heute verfolgt. Was niemand wusste: Nur wenige Tage vor seinem Tod bemerkte sie eine deutliche Veränderung in seinem Aussehen: „Er sah grau im Gesicht aus, wie ein 80-Jähriger“, so Tiedtke, „Aber er fühlte sich gut, sagte er.“

Die verpasste chance
Ein weiterer Stich ins Herz: In der Nacht seines Todes rief ihr Sohn noch einmal an. Tiedtke schlief jedoch bereits und verpasste den Anruf. Die Wochen nach dem Verlust waren geprägt von einer tiefen Lähmung. „Ich war wie in Trance, funktionierte nur noch. So was kannst du nicht begreifen. Ich kauerte zwei Monate auf dem Sofa.“ Ihre Tochter sorgte für sie, kochte und kümmerte sich um alles.

Ein neuer lebensabschnitt
Heute versucht Tiedtke, mit dem Verlust zu leben. Sie fühlt sich mit ihrem Sohn verbunden, trägt einen Anhänger mit einem Teil seiner Asche bei sich. „Durch seinen Tod hat sich mein Leben komplett geändert. Ich lebe viel bewusster, mache nur noch Dinge, die mir Spaß und Freude machen.“ Der Sohn wurde in Bielefeld beigesetzt, wo auch sein Vater, Tiedtkes Ex-Mann, lebt. Die beiden waren von 2005 bis 2008 verheiratet. Tiedtke, die einst zu den besten Weitspringerinnen der Welt gehörte und deren Rekord bei exakt sieben Metern liegt, hat nach ihrer Karriere als Physiotherapeutin eine eigene Praxis in Berlin eröffnet. Ein Leben, das nun für immer von diesem unauslöschlichen Schmerz gezeichnet ist.
