Olympia-debatte: zwischen vorsicht und begeisterung – deutschlands zögern

Reisebericht und erste eindrücke

Nach den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo, einer Reise über den Brenner zurück nach München, stellt sich die Frage: Wollen wir wirklich wieder Olympia? Die Spiele waren nicht perfekt, aber sie haben mich gepackt – emotional, atmosphärisch, menschlich. Jetzt liebäugelt Deutschland mit den Sommerspielen 2036, 2040 oder 2044, doch der politische Wille scheint zu fehlen.

Steinmeiers bedenken und die historische last

Steinmeiers bedenken und die historische last

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte sich drei Tage lang die Spiele, von der Eröffnungsfeier bis nach Antholz. Kaum zurück in Deutschland, äußerte er Bedenken gegen eine Bewerbung für 2036. Das Datum könnte falsche Erinnerungen an die Nazi-Spiele von 1936 wecken. Dieser deutsche Reflex, erst einmal zu warnen, ist bekannt. Natürlich ist Geschichte Verantwortung, aber sie darf kein Argument für Selbstzweifel sein. Die entscheidende Frage ist doch: Was würde ein demokratisches Deutschland aus diesem Datum machen?

Fehlende politische unterstützung

Kanzler Friedrich Merz blieb den Spielen komplett fern. Obwohl sie nur zwei Flugstunden von Berlin entfernt waren, schien dies offenbar zu weit. Seine Absage sendet ein deutliches Signal. Er gratulierte zwar einigen Olympiasiegern, aber nicht allen. Wahre Begeisterung sieht anders aus. Es wäre politisch klug gewesen, der neuen IOC-Präsidentin Kirsty Coventry die Hand zu schütteln und zu erklären: „Wir wollen diese Spiele und werden sie großartig machen!“

Die zweite reihe engagiert sich – aber reicht das?

Zwar waren Pistorius, Klingbeil, zahlreiche Landespolitiker und der Sportausschuss vor Ort, aber wenn der Kanzler nicht erscheint, fehlt das entscheidende Bild. Olympia ist auch Symbolpolitik – und vielleicht sogar vor allem. Italien hat nicht alles perfekt organisiert, aber es hat eine klare Botschaft gesendet: Wir sind stolz, Gastgeber und freuen uns auf die Welt. Genau diese Haltung entscheidet über eine erfolgreiche Bewerbung.

Begeisterung statt bedenken

Olympische Spiele gewinnt man nicht mit Bedenken, sondern mit Begeisterung. Nicht mit historischer Scheu, sondern mit politischer Entschlossenheit. Deutschland muss der Welt zeigen: Wir wollen Olympia! Wenn Deutschland Olympia wirklich will, muss es aufhören, sich selbst im Weg zu stehen. Mit vier Bewerbern – München, Berlin, Hamburg und Köln/Rhein-Ruhr – und einem langwierigen Auswahlverfahren hat man sich für den kompliziertesten Weg entschieden.

Ein appell: macht es einfach!

Statt den Kandidaten zu wählen, der beim IOC die besten Aussichten hätte, wird kompliziert vorgegangen. Macht es einfach! Zeigt der Welt endlich, dass Deutschland 54 Jahre nach München endlich wieder Olympia austragen möchte. Wer schon bei der Bewerbung zögert und nur Bedenken vor sich heranträgt, wird am Ende garantiert keine Eröffnungsfeier inszenieren.