Olympia und der mentale marathon: druck, medien und der kampf um gold

Olympia und der mentale marathon: druck, medien und der kampf um gold

Die Olympischen Spiele sind mehr als nur ein sportlicher Wettkampf. Sie sind ein mentaler Marathon, bei dem Athletinnen und Athleten mit enormem Erwartungsdruck, der allgegenwärtigen Präsenz sozialer Medien und ihren eigenen Ansprüchen kämpfen. Während einige unter diesen Bedingungen zusammenbrechen, erleben andere den lang ersehnten Triumph. Olympia bleibt ein Ort, an dem Erfolg und Misserfolg dicht beieinander liegen.

Der immense druck: mehr als nur ein wettkampf

Für viele Sportlerinnen und Sportler sind die Olympischen Spiele der wichtigste Wettbewerb ihrer Karriere. „Das Zeitfenster ist der erste Faktor, der es natürlich besonders macht, bei Olympia anzutreten. Und deswegen will man da auch gut performen, weil für viele Athletinnen und Athleten ist es die vielleicht einzige Möglichkeit im Leben“, erklärt Psychologin Marion Sulprizio von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Dieser Druck kann erdrückend sein, besonders wenn die Spiele als letzte Chance gesehen werden, wie im Fall der Biathletin Franziska Preuß.

Franziska preuß: die letzte chance und der innere kampf

Franziska preuß: die letzte chance und der innere kampf

Die 31-jährige Preuß beendet nach Olympia ihre Karriere. Der Massenstart am Samstag (14.15 Uhr) bietet ihr eine letzte Gelegenheit, sich eine Einzelmedaille zu sichern. Nach dem enttäuschenden Staffel-Ergebnis, bei dem sie eine Strafrunde schoss, verließ sie wortlos die Biathlon-Arena. Der Druck war offensichtlich zu groß.

Ilia malinin: der fall des wunderkinds

Ilia malinin: der fall des wunderkinds

Auch der junge US-Eiskunstläufer Ilia Malinin erlag dem Druck. Nach über zwei Jahren ungeschlagener Leistungen stürzte er bei seiner Kür und landete auf dem achten Platz. „All dieser Druck, all die Medien, und einfach als Olympia-Goldhoffnung zu gelten, waren viel. Es war zu viel, um damit umzugehen“, gestand Malinin. Die hohe Erwartungshaltung führte zu Nervosität und Fehlern.

Die psyche als stolperstein: wenn erwartungen zum problem werden

Die psyche als stolperstein: wenn erwartungen zum problem werden

Die Fälle Preuß und Malinin verdeutlichen, dass die eigenen Erwartungen schnell zum Problem werden können. „Da spielt uns eben die Psyche manchmal auch einen Streich und macht das unmöglich, dass man eben sein Bestes zeigen kann, weil man aus dem Aktivitätslevel rausfällt, welches man braucht, um optimal zu performen. Man ist dann nämlich zu nervös, zu aufgeregt, zu gestresst“, erläutert Sulprizio. Die Fallhöhe ist besonders groß, wenn man zuvor erfolgreich war – wie im Fall von Malinin.

Wer dem druck standhält: lochner und das deutsche team

Wer dem druck standhält: lochner und das deutsche team

Nicht alle Athleten scheitern am Druck. Bob-Pilot Johannes Lochner bewies mentale Stärke und krönte seine Karriere mit dem Olympiasieg. Auch die Langläuferinnen Laura Gimmler und Coletta Rydzek lieferten trotz eigener Erwartungen eine starke Leistung und gewannen Bronze. Sie betonten, dass sie „krass unter Druck“ standen, aber wussten, dass ein guter Platz möglich war.

Sportpsychologisches coaching: ein schlüssel zum erfolg?

Sportpsychologisches Coaching kann helfen, mit dem Druck umzugehen. „Manche Athletinnen oder Athleten schaffen das auch alleine und können sich autodidaktisch etwas beibringen – so zum Beispiel Entspannungsverfahren, Gedankenkontrolle oder Visualisierungsstrategien, Umgang mit Nervosität“, erklärt Sulprizio. Athletinnen wie die US-Langläuferin Jessie Diggins nehmen aktiv Hilfe in Anspruch, um ihre mentale Gesundheit zu stärken.

Soziale medien: eine zusätzliche belastung

Die sozialen Medien verstärken den Druck zusätzlich. „Dadurch wird alles ja noch präsenter, alles noch sichtbarer, man selbst wird bewertbar. Und das Traurige ist, dass sich meistens die Leute äußern, die erstens keine Ahnung haben und zweitens auch einfach nur blöde Kommentare ablassen wollen“, kritisiert Sulprizio. Eine Strategie kann sein, die Kommentarfunktion zu deaktivieren oder eine Social-Media-Pause einzulegen, wie es die Biathletin Vanessa Voigt tat.

Kampf gegen hass-kommentare: der dosb setzt auf ki

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) setzt Künstliche Intelligenz ein, um Hass-Kommentare zu filtern. Allein in gut eineinhalb Wochen wurden bereits 1.800 Hass-Kommentare gegen deutsche Sportlerinnen und Sportler ausgefiltert. Diese Maßnahme soll die Athleten vor negativen Einflüssen schützen. Die Anzahl der Hass-Kommentare steigt von Wettkampftag zu Wettkampftag.