Olympia 1956: eisschnelllauf-geschichte am lago di misurina und ein stürzender fackelträger

Olympia 1956: eisschnelllauf-geschichte am lago di misurina und ein stürzender fackelträger

Was heute fast unglaublich klingt, sorgte bei den Olympischen Spielen 1956 für spektakuläre Bilder: Der Lago di Misurina wurde zur Bühne für Rekordjagden im eisschnelllauf und einen denkwürdigen Moment der Eröffnungsfeier. Mit der “Perle der Dolomiten” in fast 1800 Metern Höhe war dies die letzte Austragung von Olympia-Rennen auf einer Natureisbahn.

Ein eisoval in den dolomiten

Der Weltrekord von 40,2 Sekunden, aufgestellt vom sowjetischen Eisschnellläufer Yevgeny Grishin, bewies die außergewöhnliche Qualität der Eisbahn am Lago di Misurina. Er unterbot die bisherige Bestmarke von 40,8 Sekunden, die Juri Sergejev ein Jahr zuvor in Medeo gelaufen war. Die Bahn, konzipiert und realisiert von dem Schweden Gösta Nilsson, orientierte sich an der künstlich vereisten Piste in Medeo, die aufgrund ihrer Höhenlage und der Qualität des Bergwassers für schnelle Zeiten bekannt war.

Die vorbereitung der eisfläche

Die vorbereitung der eisfläche

Der Lago di Misurina, bekannt für sein klares Wasser und die reine Luft, war die perfekte Grundlage. Als der See Anfang Dezember 1955 zufror, schnitt Nilsson ein Oval für eine 400-Meter-Bahn aus dem Eis. Ein 30 Zentimeter breiter Wasserstreifen wurde ständig eisfrei gehalten, um Risse zu vermeiden. Die Eisdicke erreichte zu Silvester 35 Zentimeter und wuchs bis zu den Spielen auf das Doppelte an. Eine spezielle Technik, bei der Wasser auf Stoffbahnen geträufelt wurde, sorgte für eine spiegelglatte Oberfläche.

Rekorde und sowjetische dominanz

Rekorde und sowjetische dominanz

Diese aufwendige Arbeit zahlte sich aus: Neben Grishins Weltrekord wurden drei weitere Rekorde und sechs olympische Bestmarken aufgestellt. Yevgeny Grishin und Juri Sergejev dominierten die ersten Rennen. Grishin stellte seinen eigenen Weltrekord erneut ein und gewann vier Jahre später in Squaw Valley erneut Gold. Auf der 1500-Meter-Distanz liefen Grishin und sein Teamkollege Juri Michailov exakt die gleiche Zeit und teilten sich den Sieg.

Ein sturz bei der eröffnungsfeier

Ein sturz bei der eröffnungsfeier

Ein denkwürdiger Moment ereignete sich bei der Eröffnungsfeier. Der italienische Meister Guidi Caroli, der als letzter Fackelträger auf Schlittschuhen die Ehrentribüne erreichen sollte, stürzte über ein Kabel. Trotz des Sturzes hielt er die Fackel fest und entzündete das Olympische Feuer. Der italienische Präsident Giovanni Gronchi lobte ihn für seinen Mut, doch Caroli war verzweifelt.

„Ich schäme mich so…“

„Ich schäme mich so…“

„Ich schäme mich so. Bei der Generalprobe war das Kabel schon da, aber man sagte mir: Keine Sorge, es wird entfernt, das Eis wird ganz sauber sein. Aber es fror über Nacht fest, konnte nicht weggezogen werden. Warum, bitte, hat mir heute Morgen niemand gesagt, dass das Kabel immer noch liegt?“, klagte Caroli. Er beendete seine Karriere nach den Spielen und arbeitete später als Autoverkäufer. 2006 entzündete er gemeinsam mit Kristian Ghedina erneut ein Olympisches Feuer in Cortina, zum 50-jährigen Jubiläum.

Cortina 2026 und das erbe von 1956

Als Cortina 2019 als Austragungsort für die Olympischen Winterspiele 2026 ausgewählt wurde, freute sich Caroli besonders, da auch seine Heimatstadt Mailand beteiligt sein würde. Guido Caroli verstarb am 8. September 2021 in Mailand im Alter von 94 Jahren. Die Rennen auf dem Lago di Misurina blieben die letzten bei Olympia, die auf Natureis ausgetragen wurden.