Ölpreis rast wieder auf 100 dollar: iran macht hormuz dicht
12. März 2026, 18.30 Uhr – der Brent kratzt wieder an der 100-Dollar-Marke. Kurz sogar drüber. Dann 99,00 $/Barrel – ein Plus von 8,3 % binnen 24 Stunden. Der WTI zieht mit: 95 $/Barrel, +8,7 %. Das ist nicht einmal der Höchststand dieser Woche. Am Montag berührte der Nordsee-Öl bereits 120 Dollar. Seitdem Talfahrt. Gestern der nächste Satz nach oben. Auslöser: der Iran und eine Wasserstraße, die sonst ein Fünftel der weltweiten Energieversorgung durchlässt – die Straße von Hormuz.
Hormuz bleibt zu, sagt teheran
Mojtaba Khamenei, frisch als Oberste Führungskraft im Amt, ließ gestern verlauten, die Schleusung werfe keine Fracht mehr ab. „Strategische Gründe“, so die knappe Erklärung. Kein Tanker passiert, kein Tropfen LNG. Die Märkte reagierten sofort. Algorithmen schlugen um, Hedgefonds kauften, Privatanleger kauften, der Preis schnellte. Die alte Regel gilt: Wenn Hormuz hustet, bekommt die Welt Fieber.
Die Folgen sind längst keine Fernmeldung mehr. An den Tankstellen von Mailand kostet Super heute 2,11 €/l – 18 Cent mehr als vor einer Woche. Die Fluggesellschaften stocken ihre Treibstoffzuschläge auf. Lufthansa, Delta, KLM: innerhalb von zwei Tagen 20 Dollar pro Ticket. Und die Industrie? Die Chemieparks am Rhein rechnen sich neu durch. Jede Tonne Ethylen braucht Öl, jede Palette Kunststoff wird teurer. Die Lieferketten zittern.
Die Gewinner sind die Produzenten jenseits der Straße. Saudi-Arabien meldet Rekordeinnahmen, die norwegische Staatskasse wächst pro Stunde um 1,3 Millionen Euro. In Texas laufen die Bohrtürme wieder auf Hochtouren. Die Shale-Firmen haben ihre Skontierungskurven neu gezeichnet: bei 95 $/Barrel lohnt sich fast jede Förderung. Die Umweltverbände schäumen. Die Anleiter jubeln.
Was die woche bringt
Morgen tagt in Brüssel der Energierat. Im Raum steht ein EU-Boykott iranischen Öls – symbolisch, denn durch Hormuz kommt ohnehin nichts. Wirkungsvoller wäre ein Freigabe der strategischen Reserven. Washington hat 635 Millionen Barrel in unterirdischen Salzkavernen, Berlin hält 28 Tage Vorrat in der Erdölbevorratungsverwaltung. Die erste Öffnung könnte den Preis binnen 48 Stunden um 12 Dollar drücken. Doch die Regierungen zögern. Warum? Weil jede Entspannung Khamenei in die Hände spielt. Wer billiges Öl freisetzt, untergräbt die eigenen Sanktionsdrohungen.
Die Analysten bei Goldman Sachs erhöhen ihre Quartalserwartung auf 105 $/Barrel. Die Internationale Energieagentur rechnet mit einem „engen Markt bis mindestens Juni“. Die Welt hält den Atem an. Und in den Häfen von Dubai liegen 120 supertanker vor Anker – vollgeladen, aber kurslos. Ihre Fracht ist es wert, ihr Weg ist versperrt.
Die Lage ist klar: Solange Hormuz dicht ist, bleibt der Preis hoch. Und Hormuz bleibt dicht, solange der Iran Druck braucht. Die nächste Eskalation ist programmiert. Die Rechnung dafür zahlen wir an der Zapfsäule – und bald auch im Supermarkt.
