Oliynykova bricht nach shnaider-niederlage in tränen aus: „schweigen wäre verrat“
Oleksandra Oliynykova stand mit Tränen im Court Suzanne-Lenglen, die Stimme stockte, das Mikro bebte. Erst Sekunden zuvor hatte sie gegen Diana Shnaider 5:7, 1:6 verloren – doch das Match war nur der Aufhänger für eine Rede, die das Turnier in Paris sofort in den Schatten stellte. „Ich weiß, dass manche lieber nervöses Schweigen hören würden“, begann die Ukrainerin. „Aber das hier ist kein Polit-Statement, es ist eine Frage der Menschlichkeit.“
Die vorwürfe, die hinter dem netz lauern
Die 25-Jährige hatte Shnaider schon vor dem Aufschlag kritisiert: Die Russin sei bei einer von Gazprom finanzierten Schaukelsuppe aufgetreten und habe in den sozialen Netzwerken regelmäßig Posts regierungsnaher Propagandisten geliked. „Gazprom finanziert Kriegsverbrechen“, hatte Oliynykova noch in der Vorwoche gesagt und den Konzern mit „Nazi-Deutschland“ verglichen. Nun, live im Pressezentrum von Roland-Garros, legte sie nach.
„Wenn Kinder in Charkiw sterben, können wir doch nicht einfach weiterspielen, als wäre nichts.“ Ihre Stimme wurde rauer. „Wer Propaganda liked, hilft dabei, diese Morde schönzureden.“

Shnaider reagiert – und schweigt zum krieg
Auf der anderen Seite des Tisches saß Diana Shnaider, die gerade erst 20 geworden ist. Sie wirkte verschlissen. „Ich bin das ganze Jahr auf Achse, das war die einzige Chance, ein bisschen Heimat zu spüren“, sagte sie zum Gazprom-Event. Instagram-Likes? „Keine Ahnung, was sie da gefunden hat. Ich bin hier, um Tennis zu spielen.“
Zum Krieg wollte sie sich nicht äußern. Oliynykova warf ihr vor, genau darauf zu setzen: „Wenn sie Putin kritisieren würde, wäre das in Russland ein Skandal. Also sagt sie lieber gar nichts.“

Die wta steht vor einem scherbenhaufen
Oliynykova forderte einen echten Sanktionsmechanismus. „Wir brauchen klare Regeln: Wer Kriegspropaganda unterstützt, fliegt raus. Einmal. Ende.“ Die Spielergewerkschaft hatte nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine ursprünglich ein paar russische Turniere ausgelagert – mehr nicht. Jetzt droht der Konflikt wieder hochzukochen.
Der französische Verband schwieg am Samstagabend. Die Moderatorin im Saal unterbrach, weil die Zeit drängte, doch Oliynykova ließ sich nicht stoppen. „Wenn ich jetzt aufhöre, wäre das wie Verrat an meinem Land.“
Die lippen bebten, das mikro schwieg
Als sie ging, war im Saal nur das gedämpfte Surren der Kameras zu hören. Shnaider hatte sich bereits abgewandt. Ein paar Minuten später ging die Nummer-vier-der-Welt im Mixed-Zone an den Journalisten vorbei – kein Wort mehr. Oliynykova aber schickte noch eine Nachricht in ihre sozialen Kanäle: „Sport verbindet nur, wenn er nicht wegsieht. Paris ist nicht nur roter Sand, Paris ist auch moralischer Prüfstein.“
Um 19:14 Uhr hatte sie das Gelände bereits verlassen. Der Krieg, den sie auf dem Platz nicht stoppen konnte, begleitet sie jetzt bis in die Kabine – und wahrscheinlich noch viel weiter.
