Ole book landet in dortmund – der perlentaucher soll schlotterbeck halten und 27-millionen-loch stopfen

Um 10.57 Uhr schlug der Helikopter auf dem Rasen neben der Südtribüne auf. Ole Book stieg aus, strahlte, und schon wusste jeder: Borussia Dortmund hat sich einen neuen Mann für die heikelste Zeit seit Jahren geschnappt. Der Ex-Elversberger, intern längst als „Perlentaucher“ gefeiert, übernimmt einen Klub, der sportlich und finanziell am Limit kratzt.

Carsten Cramer fuhr ihn persönlich vor, Lars Ricken stellte ihn als „Zukunft“ vor, und Book selbst legte los wie ein Start-up-Gründer, der gerade 100 Millionen Seed-Capital erhalten hat. Erste Amtshandlung: eine WhatsApp an Nico Schlotterbeck. „Hoffe, wir telefonieren zeitnah“, sagt er, als hätte er gerade einen alten Kumpel gefragt, ob er noch mitkommt zum Grillen. Dahinter steckt ein 60-Millionen-Klausel-Paket, 14 Millionen Gehalt pro Jahr, Laufzeit bis 2031 – bereits von Sebastian Kehl und Ricken ausgehandelt, jetzt muss Book nur noch den Stift in Schlotterbecks Hand drücken.

Der januar-deal, den keiner sah

Dass Book überhaupt kommen konnte, verdankt Dortmund einer stillen Klausel, die schon im Januar aktiviert wurde. Die BVB-Bosse kontaktierten den hessischen Underdog-Manager, buchten ihn per Sonderregelung weg – und niemand bekundete Interesse an der Leihe. Jetzt sitzt er in einem Büro, in dem die Luft finanziell rar ist: bis zu 27 Millionen Euro fehlen in der Planung, sollte der Klub die Champions League verpassen.

Book nimmt die Zahl zur Kenntnis wie einen Gegentorstand in der 88. Minute – ärgerlich, aber nicht das Ende. Er muss Karim Adeyemi wieder auf Kurs bringen, Serhou Guirassy für einen dreifachen Millionenbetrag verkaufen und nebenbei den Kader so umbauen, dass er nicht wie eine u21-Mannschaft wirkt. „Fleiß ist die Basis des Scoutings“, predigt er. Klingt nach Schulaufsatz, ist aber seine einzige Versicherung gegen das drohende Finanz-Beben.

Kein titelversprechen, dafür ein offensiv-mantel

Kein titelversprechen, dafür ein offensiv-mantel

Trophäen? Davon will Book lieber schweigen. „Sind nicht gut beraten, große Ziele rauszuposaunen“, sagt er und klingt dabei wie ein Mann, der schon mal ein Pokal-Interview verloren hat. Dafür verspricht er eine neue DNA: mehr Ballbesitz, mehr Risiko, mehr Tore. Ricken liefert nach: „Wir spielen nicht mit einer U21-Mannschaft.“ Die Zweck-Ehe zwischen Jugend und Erfahrung nennt er „Zwei-Wege-Strategie“. Klingt nach Marketing-Broschüre, meint aber: kein Experiment, wenn’s ums Geld geht.

Book selbst strich seinen Vornamen Nils schon vor drei Jahrzehnten. Stolz berichtet er, dass ihn in Beckum schon lange keiner mehr „Nils“ gerufen habe. In Dortmund wird er künftig auch nur noch „Ole“ genannt – eine kleine psychologische Neuausrichtung, die zeigt: Hier mischt jemand mit, der seine Vergangenheit abgeschlossen und die Zukunft schon auf dem Schirm hat.

Die Mission ist klar: Schlotterbeck halten, Adeyemi retten, Guirassy verkaufen, 27 Millionen auftreiben. Und das alles, während 81.000 Fans in gelb-schwarz jedes Pfiff analysieren. Kein Wunder, dass Book nach seiner Presse-Runde direkt Richtung Trainingsplatz spurtete. Dort wartet der Rasen – und ein Kader, der endlich wieder nach vorne spielen soll. Ob der Perlentaucher auch in der Champions-League-Blase glänzt, entscheidet sich spätestens im Mai. Bis dahin zählt nur eins: Tore, Transfer-Erlöse, Termine. Kein Platz für Romantik, nur für Ergebnisse.