Oldenburg bleibt drin: fossi verlängert und schickt neue armee richtung 3. liga
Mit 2,17 Zählern pro Spiel wäre der VfB Oldenburg in fast jedem Jahr aufgestiegen. In dieser Saison reicht’s nur zur Silbermedaille – doch statt zu trauern, ziehen die Friesen schon die Kampfmontur für 2024/25 an. Dario Fossi bleibt, ein halbes Dutzend Neuzugänge ist geplant, und ein ehemaliger Jeddeloh-Kapitän soll den Marschweg ins Lot führen.
Der bittere sonntag in emden war nur die nebensache
Die Zahlen sind zynisch: fünf Remis gegen direkte Konkurrenten, 0:0, 1:1, 2:2 – insgesamt zehn verschenkte Punkte zwischen August und März. „Meppen hat sie hinten raus geholt, wir nicht“, sagt Kapitän Leon Deichmann und schlägt mit der flachen Hand gegen die Kabinenwand. Die Niederlage beim BSV Kickers Emden war der letzte Stolperer, nicht der erste. Schiedsrichter Luca Sambill verschickte fünfrote Visitenkarten, verwandelte ein hitziges Derby in ein Rugby-Match. Fossi zog hinterher den Daumen runter: „Wir wollen Profifußball, aber kriegen einen Unparteiischen in der Ausbildung. Das passt zusammen wie ein Handtuch im Schneesturm.“
Doch statt sich in Schicksalsfragen zu ergehen, schaltete Sport-Geschäftsführer Sebastian Schachten sofort auf Transfer-Modus. „Wer aufsteigen will, darf keine Sommerloch-Depression erlauben“, sagt er am Montagmorgen, während seine Konkurrenten noch den Kopf schütteln. Die Marschroute steht: Plakativ-Vize hinter Meppen, dann 2025 den Sprung in die 3. Liga.

Baustellen im kader: sechser, stürmer, abräumer
Die Einkaufsliste ist handgeschrieben und kurz. Position eins: ein Sechser, der im Notfall auch die Innenverteidigung aufräumt. Position zwei: ein Stürmer, der neben Mats Facklam nicht nur läuft, sondern trifft – weil Moses Otualis Achillessehne gerissen ist und derzeit nur Krücken und Frust vorhanden sind. Kandidat Lucas Bauer (Atlas Delmenhorst) schoss seit März acht Tore und legte acht Vorlagen in elf Spielen – Zahlen, die selbst Excel-Tabellenkalkulatoren glühen lassen.
Julian Boccaccio dagegen ist weg, Richtung Phönix Lübeck abgewandert. „Wir konnten das Angebot nicht toppen, da hilft auch kein Powerpoint“, sagt Schachten. Als Ersatz glüht der Name Kasra Ghawilu. Der 24-jährige Kapitän der SSV Jeddeloh II gilt als pressingresistenter Doppelsechser, der gegen den Ball „Upgrade pur“ verspricht. Problemchen: 3.-Liga-Klubs lauern, Ausstiegsklausel droht, VfB hat „Außenseiterchancen“. Alternativplan Dominik Kasper von Werder II – vier Tore diese Saison, aber ein Gespräch schon in Tasche.

Fossi bleibt, der rest wird neu justiert
Verlängerung Fossi fix, Ankündigung folgt in den nächsten Tagen. Der Coach bekommt keine Riesen-Revolution, sondern chirurgische Veränderungen: ein Ruck in der zentralen Achse, mehr Durchschlagskraft im letzten Drittel, eine Abwehr, die nicht nachlässt, wenn der Gegner in der 85. Minute nochmal sprintet. „Wir sind nah dran“, sagt Deichmann. „Nur noch einen Platz nach oben, das klingt wie ein schlechter Witz, ist aber Realität.“
Wenn Ghawilu an Bord kommt, dürfte er schon beim ersten Heimspiel zum Liebling avancieren. Schafft er den Aufstieg, steht ein bronzenes Denkmal „König von Oldenburg“ bereit – so wie einst Wolfgang Sidka. Falls nicht, bleibt Kasper, bleibt Bauer, bleibt die Erkenntnis: 2,17 Punkte reichen nur, wenn oben niemand 2,18 holt. Die Rechnung ist einfach, die Umsetzung wird hart. Der VfB zieht trotzdem die Stiefel an – und die Saison 2024/25 beginnt heute.
