Olazábal: golf-legende trainiert wie ein besessener in augusta
José María Olazábal, zweifacher Masters-Champion, ist kein Mann, der sich auf seinen Lorbeeren ausruht. Mit 60 Jahren kehrt er nicht etwa nur zum Genießen nach Augusta National zurück, sondern verbringt Stunden auf dem Übungsplatz – ein Beweis für seine unbändige Leidenschaft und seinen unermüdlichen Ehrgeiz.

Die medaille für ehrlichkeit: mehr als titel
Die Geschichte wird Olazábal für seine zwei grünen Jacken im Jahr 1994 und 1999 in Erinnerung behalten. Doch viele betonen, dass er sich mehr als für irgendwelche Titel die Medaille für Ehrlichkeit, für die unerschütterliche Arbeitsmoral, verdient hat. Ein Ruf, der ihm von Generation zu Generation weitergegeben wird.
„Es bringt mir immer gute Erinnerungen. Es ist sehr besonders für mein Herz“, gesteht Olazábal, dessen Wunsch es ist, auch mit über 60 Jahren noch den Cut zu schaffen. Er ist in guter Gesellschaft: Jack Nicklaus, Tommy Aaron, Bernhard Langer und Fred Couples – einige der erfahrensten Spieler, die Augusta National beehrt haben. Vijay Singh (63) ist ebenfalls dabei.
Seine Geheimwaffe? Ein unerbittliches Training. Olazábal absolvierte 36 Masters-Teilnahmen und in jeder davon zeigte er die gleiche Hingabe. Schon früh am Morgen ist er auf der alten Übungsfläche zu finden, jener, die einst parallel zur Washington Road verlief – dem Ort, an dem einst die Bälle von John Daly landeten. Ein Ort, der nun erweitert und mit einer neuen Anlage für Spieler und ihre Familien versehen wurde.
Nur vier Golfer gaben am Montag mehr als 200 Schläge ab. Olazábal war der Dritte mit 215 – hinter Potgieter (249) und Harman (225), die dringend ihre Technik verbessern müssen. Wie ein Dinosaurier aus Monterroso ist Olazábal zu jeder Tageszeit präsent. Er schlug mehr Bälle als Scheffler, Rahm, Fleetwood und Sergio García zusammen.
Obwohl er zugibt, dass er „sehr lange Eisen und sogar Hölzer 7“ benötigt, um einige Par 4 zu erreichen – insbesondere das 5. und 11. Loch – ist er nicht frustriert. „Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass das Masters ein Spiel der Geduld ist, des Wissens, wo man nicht hingehen sollte“, erklärt er. Er erinnert sich daran, wie Tiger Woods, damals noch ein junger, ungestümer Spieler, sich an ihn und Seve Ballesteros klammerte, um die Geheimnisse von Augusta National zu erlernen. „Je öfter man diesen Kurs spielt, desto besser. Wir haben immer gesagt, dass er ein komplettes Spiel erfordert: Kraft und Präzision vom Tee, Präzision mit den Eisen und natürlich ein exzellentes Short Game. Die Kenntnis der Konturen der Grüns und all das hilft sehr. Und wenn man ihn so oft gespielt hat, kennt man ihn einfach.“
Am Donnerstag wird Olazábal seine 113. Runde auf dem Feld bestreiten, auf dem jeder Golfer einmal spielen möchte. Und er wird dabei alles geben, so wie er es sein Leben lang getan hat.
