Odermatt raus, braathen drin: kristallkugel wirbelt in wilder slalom-drama
Die Riesenslalom-Kugel rutschte Marco Odermatt buchstäblich unter den Ski weg. Ein Aufsetzer, ein Hüftschwung, ein Sturz – und die Saison-Heldin in St. Moritz war nach 24 Sekunden vorbei. Der Schweizer, der 48 Punkte vor Lucas Pinheiro Braathen lag, schied aus, der Brasilianer fuhr als Erster ins Ziel. Die Devise nach Lauf eins: 1:11,24 Minuten – das reicht, wenn er morgen unter die ersten Vier rutscht.
Loïc meillard hält die fahne der eidgenossen hoch
+0,63 Sekunden – so viel fehlten dem Waadtländer an der dritten Zwischenzeit. Kein Drama, nur ein Seufzer. Meillard riss keine Wellen auf, er surfte sie runter. Rang drei bedeutet Podest-Chance, doch der Blick gilt schon weiter: «Ich kenne Marco’s Schmerz, aber ich kenne auch meine Chance», sagte er kurz vor dem Tor zum Mixed-Zone-Gewirr.
Luca Aerni und Thomas Tumler schaufelten dagegen zu viel Schnee. 2,23 bzw. 2,03 Sekunden Rückstand – das ist die harte Rechnung der Wellen, die sie beide ein Stück zu hoch nahmen. Aerni korrigierte zweimal, Tumler dreimal, die Zeit lief weg wie warmes Wasser. Rang 15 und 13 – für Schweizer Verhältnisse fast schon ein Befreiungsschlag, wäre da nicht die Leerstelle, die Odermatt hinterließ.

Braathens nervenkrieg beginnt jetzt erst
Die Kristallkugel liegt nicht mehr in Schweizer Hand, sie rollt durch den Parcours von Pinheiro Braathen. Der 25-Jährige muss nur noch vier Plätte schlechter werden – eine Konstante, die sich anhört wie ein Witz, aber bitterer Ernst ist. Die erste Run-Zeit war sein Risiko-Brief an die Konkurrenz: früh angreifen, spät bremsen, nie sicher. «Ich habe nichts zu verlieren», sagte er, während seine Physios die Ski in 13,5 Grad Kante schliffen. Die Devise lautet: Nerven aus Titan.
Für Odermatt bleibt nur die Warterei. Kein zweiter Lauf, keine Nachbesserung, nur die Hoffnung, dass Braathen einen Fehler kauft – und das ist das Paradoxon dieser Kugel: Sie wird vergeben, indem jemand anders sie verliert. Die Saison endet morgen mit einem Slalom, der keiner ist, sondern ein Psychodrama auf zwei Brettern. Die Uhr tickt, der Schnee wartet, und die Schweiz schaut zu, wie Brasilien plötzlich die Alpen erobert.
