Odermatt jagt hirschers ewige marke – das finale wird zur high-speed-schachpartie

Marco Odermatt spielt nicht mehr einfach nur um eine Kugel, er schreibt Ski-Geschichte mit dem Fuß auf dem Gas. Vor dem Riesenslalom von Hafjell kann der Schweizer am Sonntag als erster Mann dreimal hintereinander vier Kristallkugeln sichern – und sich damit in einen Atemzug mit Marcel Hirscher setzen, der bisher als unantastbar galt.

Die 48-punkte-falle, die alle erwischt

48 Zähler Vorsprung klingt nach Vorsicht. Täuscht. Odermatt muss in Norwegen mindestens aufs Podest, sonst darf Lucas Braathen mit einem Sieg noch zuschlagen. Der Brasilianer ist in Topform, fuhr die letzten fünf Riesenslaloms alle in den Top-2 – Olympiasieg inklusive. Für Odermatt heißt das: keine Kreisel-Nummer, sondern Vollgas bis zur Zielquerung.

Die Rechnung ist simpel, aber rücksichtslos: Landet Odermatt außerhalb der Top-7 und Braathen wird Zweiter, fliegt die Kugel nach Rio-São Paulo. Fällt Odermatt raus und Braathen wird Fünfter, reicht auch das. Und sollte Loïc Meillard gewinnen, während Odermatt leer ausgeht, schnappt sich sogar der Langsame der drei Schweizer die Trophäe.

Slalom wird zum kumpel-duell mit knalleffekt

Slalom wird zum kumpel-duell mit knalleffekt

Neben dem Riesenslalom droht im Slalom ein Drama unter Freunden. Atle Lie McGrath führt vor seinem Heimrennen, 41 Punkte vor Braathen. Der Norweger will seine erste Kugel, der Brasilianer die zweite dieser Saison. McGrath muss nur aufs Podest, um sich zu verabschieden. Fällt er zurück, beginnt die Mathematik-Falle: Platz sieben reicht McGrath, wenn Braathen nicht gewinnt. Platz 12 ist noch okay, falls Braathen maximal Dritter wird. Alles andere ist reine Theorie für Clément Noël und Henrik Kristoffersen – beide brauchen einen Sieg plus einen Blackout des Gegners.

Odermatts möglicher Rekord ist deshalb mehr als eine Fußnote. Er würde die Messlatte auf eine Höhe legen, die selbst Hirscher nicht erreichte: viermal in Folge die Gesamtwertung, viermal die Riesenslalom-Kugel, dazu viermal die Super-G- und Abfahrts-Kugel – alles in nur drei Wintern. Die Formel lautet: Dominanz plus Konstanz plus Speed auf Knopfdruck.

Die Saison endet mit einem Bild, das für sich spricht: Entweder Odermatt lächelt mit vier Kugeln, oder Braathen fliegt mit zwei davon. McGrath kann seine Heimkugel packen. Und die übrige Konkurrenz? Sie darf wieder von vorn anfangen – in einem Winter, der längst zur Legende geworden ist, egal wie das Finale ausgeht.