Odermatt: fünf siege, ein „fast perfekter“ start – und die bittere kitzbühel-enttäuschung

Marco Odermatt hat die Saison bisher dominiert, Rekorde gebrochen und Siege gefeiert. Doch hinter der beeindruckenden Fassade verbirgt sich auch die Erkenntnis, dass der ganz große Coup, der Sieg in Kitzbühel, noch aussteht – und das weht ihm sichtlich weh. In einer Medienkonferenz in Malters sprach der fünfmalige Gesamtweltcupsieger über seine Leistungen, die Herausforderungen und die unstillbare Sehnsucht nach dem Triumph auf dem Hahnenkamm.

Die vorbereitung macht den meister – und die niederlagen weisen den weg

„Irgendwo natürlich sehr erfolgreich, aber vielleicht so dieses ‚Aber‘ letztes Jahr, mit den Großereignissen im Auge“, reflektierte Odermatt die vergangene Saison. Der Schlüssel zum Erfolg liegt für ihn klar in der intensiven Vorbereitung im Sommer und Herbst. Ein „fast perfekter“ Saisonstart, wie er selbst sagt, zeigt, wie entscheidend diese Phase ist. Die frühen Siege haben ihm nicht nur ein beruhigendes Polster in der Gesamtwertung verschafft, sondern auch das nötige Selbstvertrauen für die anspruchsvollen Rennen.

Doch der Weg zum Erfolg ist selten geradlinig. Odermatt musste lernen, mit Niederlagen umzugehen – ein Aspekt, der ihm in den letzten Jahren kaum in den Blickwinkel geraten war. „Alta Badia ist dann dieses Jahr ein bisschen schwieriger gewesen“, so der Nidwaldner, der einen sechsten Platz als „kleinen Dämpfer“ bezeichnet. Ein sechster Platz, der die hohen Ansprüche des Skirennläufers verdeutlicht.

Das Gefühl am Ziel ist zweitrangig – entscheidend sind die Ergebnisse. Odermatt räumt ein, dass das Gefühl am Ende eines Rennens zwar eine Rolle spielt, aber letztendlich die Platzierung zählt. „Du gewinnst lieber ein Rennen mit einem schlechten Gefühl, als Vierter zu werden mit einem guten Gefühl.“ Diese pragmatische Einstellung spiegelt den unbedingten Willen wider, auf höchstem Niveau zu bestehen.

Die last des erfolgs: erklärungsbedarf nach jedem rennen

Die last des erfolgs: erklärungsbedarf nach jedem rennen

Der Druck, der mit dem Erfolg einhergeht, ist immens. Odermatt muss sich mittlerweile nach jedem Rennen rechtfertigen – bei Interviews, beim Serviceteam, bei den Trainern und sogar bei der Familie. „Wenn man so viel gewonnen hat und weiß: wenn alles passt, kann man eigentlich jedes Rennen gewinnen, dann ist das irgendwo klar.“ Dieser Prozess der Selbstreflexion hilft ihm jedoch, sich kontinuierlich zu verbessern und im nächsten Rennen noch besser abzuliefern.

Adelboden – ein märchen, das immer wieder neu erlebt wird

Adelboden – ein märchen, das immer wieder neu erlebt wird

Besonders emotional war für Odermatt der fünfte Sieg in Adelboden. „Ja, es ist beim fünften Mal wirklich immer noch irgendwie ein Märchen“, gestand er. Die Atmosphäre im Berner Oberland, die perfekte Abstimmung mit dem Material – all das trägt dazu bei, dass dieses Rennen für ihn zu etwas Besonderem wird. Die Möglichkeit, vor diesen Rennen zu regenerieren und sich optimal vorzubereiten, verstärkt diesen Effekt noch.

Kitzbühel – die unausgesprochene Wahrheit. Die Niederlage in Kitzbühel schmerzt. Der zweite Platz, nur sieben Hundertstel hinter dem Sieger, ist für Odermatt ein schwerer Brocken. „Ich glaube, das ist das, was wir am Anfang gesagt haben: Das Schöne und das Traurige an dieser Situation, wenn man ja eigentlich dieses Privileg hat, dass man über das so mit einer Enttäuschung reden darf“, so Odermatt. Die Sehnsucht nach dem Sieg auf dem Hahnenkamm ist groß, doch er weiß, dass er noch Zeit hat – auch wenn es ihm schwerfällt, das zu akzeptieren.

Mit dem Blick auf die Zukunft ist eines klar: Marco Odermatt wird weiterhin alles daran setzen, seine Dominanz im Riesenslalom und in der Abfahrt zu festigen. Aber die bittere Enttäuschung in Kitzbühel wird ihn antreiben, sich noch stärker zu machen und den Traum vom Triumph auf dem Hahnenkamm endlich zu verwirklichen. Der Winter ist lang, und die Skihügel warten.