Odermatt bricht im super-g ein: «das war mein tiefpunkt seit fünf jahren»

Marco Odermatt fuhr am Sonntag in Kvitfjell nicht nur daneben – er fuhr sich die Seele aus dem Leib. Platz 19. Kein Punkt. Und das, obwohl die kleine Kristallkugel schon lang in seinem Koffer liegt. Der Super-G-König schob sich selbst ins Scheinwerferlicht der Selbstzerfleischung: «Das war das schlechteste Rennen seit fünf, sechs Jahren

Die serie ist gerissen – und mit ihr die aura

Seit dem 6. März 2022 war Odermatt in 30 Super-Gs der Weltcup-Top-7 sicher. Damals, ebenfalls in Kvitfjell, landete er auf Rang 28. Jetzt wieder Norwegen, wieder ein 28er-Flashback, wieder ein Reset. Kurios: Die Piste, die ihn zum Serienkiller machte, wird nun zum Schauplatz seiner Blamage. Dominik Paris feierte seinen zweiten Sieg binnen 24 Stunden, Odermatt dagegen feierte sich selbst als «nicht würdig». Die Motivation? «Schon morgens auf der Besichtigung kaum vorhanden», gab er unverblümt zu. Ein Satz, der in den Ohren des Schweizer Alpinen Verbandes klingt wie ein Nagel auf der Schiefertafel.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: zwei Saisonsiege reichten, um 425 Punkte vor dem Verfolgerfeld zu behalten. Vincent Kriechmayr (347) und Raphael Haaser (301) schauten zu, wie der Gewinner sich selbst demontierte. «Ich habe die Kugel nicht wegen meiner Leistung gewonnen, sondern weil andere patzen», sagte Odermatt. Selten klang eine Goldmedaille so nach Silberfolie mit Beulen.

Mentaler reset statt medien-talk

Mentaler reset statt medien-talk

Was folgt, ist kein Slam-Poetry-Training, sondern reduzierte Kommunikation. Odermatt will «die Köpfe freikriegen» für den Riesenslalom am Dienstag in Hafjell. Dort könnte er die große Kugel weiter polieren – oder endgültig Makel einbrennen. Die Saison endet mit Slalom und Riesenslalom, doch die Frage bleibt: Wer ist dieser neue Marco, der morgens schon keine Lust hat?

Die Antwort lieferte er selbst: «Ich habe keine Kurve richtig getroffen.» Keine Ausrede, kein «dann halt nächstes Mal». Stattdessen ein Geständnis, das sich wie ein Schnitt durch die eigene Mythologie liest. Der Super-G-Terminator verwandelt sich vor unseren Augen in einen Suchenden. Und das mitten in der Phase, in der eigentlich alles glänzen sollte.

Die Bilanz: Paris holt den Doppelschlag, Odermatt kassiert das Debakel. Die Kristallkugel bleibt trotzdem in der Schweiz, aber sie hat einen Riss bekommen – und der sitzt nicht im Glas, sondern im Kopf des Favoriten.