Obst schreibt geschichte: bayern dreft würzburg mit rekord und sieg nieder
90:81 in Würzburg, vieter Sieg in Serie, Tabellenführung ausgebaut – und dazwischen ein Schlag, der in die Geschichtsbücher eingeht. Andreas Obst versenkte in der letzten Sekunde des dritten Viertels seinen 710. Dreier in der easyCredit-BBL und löste Pascal Roller als deutschen Rekordhalter ab. Die Bayern kamen, sahen und bezwangen einen Gegner, der bis zur 25. Minute alles versuchte, um den Abstand auf die Spitze zu verkürzen.
Rückstand? nur schleppphase, keine panik
Bei 26:37 lief München einem zweistelligen Defizit hinterher, Würzburg feuerte aus allen Lagen, die FrankenArena kochte. Doch Svetislav Pesic schaltete früh um: Zone aufgezogen, Tempo gedrosselt, Oscar da Silva in die Mitte gestellt. Der Power-Forward antwortete mit 19 Punkten und 8 Rebounds, traf den entscheidenden Fade-away zum 83:77, als die Uhr noch 1:17 zeigte. „Wir haben gelernt, auch müde zu siegen“, sagte Pesic nach dem Spiel. „Das ist Meisterschaftsmentalität.“
Der 11-Punkte-Rückstand schmolz in einem 14:3-Lauf, angetrieben von Niels Giffey, der aus der Dreierlinie zwei Mal nacheinander traf. Plotzlich stand es 40:40, und Würzburg begann zu zittern. Davion Mintz stemmte sich mit 18 Zählern dagegen, doch je länger das Spiel dauerte, desto mehr entglitt den Hausherren der Mut. Die letzten fünf Minuten: nur noch ein Korberfolg, dazu drei Ballverluste.
Rekordjagd und playoff-kalkül
Obsts historischer Dreier war kein isoliertes Schauspiel. Er hatte sich den Ball selbst erarbeitet, einen Hand-off genommen, einen Schritt rausgezogen und aus sieben Metern abgezogen – wie einst Roller, nur schneller. „710 war die Zahl, die ich seit Wochen im Kopf hatte“, sagte der 29-Jährige. „Dass sie genau hier fällt, wo ich meine Jugend verbracht habe, macht sie unverkäuflich.“
München baut damit die Tabellenführung auf vier Punkte zu Alba Berlin aus, die am Freitag in Ulm patzten. Für Würzburg bleibt der fünfte Tabellenplatz, doch die Playoff-Hoffnung lebt: Bei 18:12 Punkten sind die Baskets weiterhin im direkten Duell mit Bonn und Oldenburg. „Wir haben bewiesen, dass wir mit den Großen mithalten können“, sagte Trainer Denis Wucherer. „Aber gegen die Bayern braucht man 40 komplette Minuten – nicht 25.“
Der nächste Prüfstein für die Münchner folgt schon am Sonntag: Bamberg in der Audi Dome. Wer da noch denkt, der Rekord sei das Ende der Fahnenstange, kennt Andreas Obst schlecht. „711 ist nur eine Frage der Zeit“, sagte er grinsend. Und dann packte er den Spielball ein – für sein Regal, für die Geschichte, für die Serie.
