Noviglio ehrt mabel bocchi: legenden versammeln sich im sport center

Im Sport Center von Noviglio stand die Zeit still. Unter dem Korb, in dem einst Milano Basket Stars die zweite Liga rockte, erinnerten sich Italiens Basketball-Größen an Mabel Bocchi, die 1978 mit Geas Sesto die Europapokal-Siegerehrung durchbrach und 48 Stunden nach ihrem Tod am 4. Dezember noch immer das Gespräch bestimmt.

Was folgte, war kein trauriger Nachruf, sondern ein 180-minütiger Kraftraum voller Anekdoten, ausgelöst von Moderator Pietro Colnago und organisiert von Enrico „Mr. GBC“ Crespi. Vor den Augen der aktuellen A2-Mädels schwang Rosi Bozzolo – Bocchis ewige Nebenfrau auf dem Parkett und später in der RAI-Sendung „La Domenica Sportiva“ – die Geschichten wie alte Trophäen.

Peterson erinnert sich: „sie war unser turbo“

Dan Peterson, 86, lehnte sich zurück, dann vor: „Mabel hat uns gelehrt, dass Talent ohne Stimme nichts ist. Sie nahm das Mikrofon, bevor es cool war.“ Neben ihm nickte Dino Meneghin, jener Koloss, der mit Bocchi 1978 das erste internationale Podest für italienische Frauen erklomm. „Ich war 20, sie 26. Sie sagte: ‚Dino, wenn du zitterst, zittert ganz Mailand.‘ Danach gewannen wir 78:60“, lachte der Hall-of-Famer.

Die Zuschauerriege las sich wie das Who-is-Who des Verbandes: Ex-FIB-Präsident Fausto Maifredi, Vittorio Gallinari – Vater von Danilo – sowie Aldo Corno, der 1984 als Manager des Geas-Teams fungierte. Alle schauten auf die Leinwand, wo Schwarz-Weiß-Bilder von Bocchi in High-Heels neben Pokalen flimmerten. „Model, Journalistin, Aktivistin – sie war ein Start-up vor der Zeit“, sagte Claudia Giordani, 68, und wischte sich eine Träne weg.

Die zahlen, die jede rede überflüssig machen

Die zahlen, die jede rede überflüssig machen

3 europäische Final-Four-Teilnahmen. 14 Nationalmannschaftseinsätze. 0 Cent Gender-Pay-Gap – denn Bocchi verlangte 1979 dieselbe Prämie wie ihre männlichen Kollegen und bekam sie. „Das war keine Forderung, das war Erpressung mit Charme“, scherzte Renzo Bariviera, der heute 75-jährige Ex-Coach, der damals als Analyst bei RAI 1 neben ihr saß.

Den emotionalsten Moment lieferte ein Video aus Kentucky. Valerie Still, 61, die nach Bocchis Karriereende 1981 die Nachfolge als Star-Import antrat, sprach aus Louisville: „Mabel zeigte mir, dass italienische Frauen nicht nur Pasta kochen, sondern auch Pick-and-Rolls erfinden können.“ Die Halle kochte, als Still das alte Geas-Trikot hochhielt – Nummer 14, Bocchi.

Zum Schluss forderte Crespi die jungen Spielerinnen auf, in Single-File über den Catwalk zu schreiten – direkt unter dem 1978er Pokal, der für eine Nacht aus dem Museum ausgeliehen wurde. „Tragt das Erbe, aber erfindet euer Spiel neu“, rief Bozzolo. Die Mädels von Milano Basket Stars, Tabellenvierter der A2, schauten zu Boden – nicht aus Scham, sondern aus Respekt.

Um Mitternacht löste sich die Runde. Die Security musste niemanden hinausbitten; alle gingen freiwillig, weil sie die Geschichten mitnahmen. Mabel Bocchi fehlte körperlich, aber ihre Stimme hallte in jedem Sneaker-Satz. In Noviglio wurde nicht nur eine Legende gewürdigt – man erhielt die Anleitung, wie Frauen-Basketball in Italien endlich wieder nach vorne kommt. Der nächste Stopp: Play-offs 2025. Dort will Milano Basket Stars jetzt nicht nur mit Punkten glänzen, sondern mit dem Mut einer Frau, die vor 46 Jahren bewies, dass Champions nicht geerbt, sondern erobert werden.