Norwegen zerlegt, brasilien im visier: dfb-frauen liefern den machtwechsel ab

Vier Tore, null Gegentor, sechs Punkte Vorsprung – die deutschen Fußballerinnen haben in Stavanger nicht einfach nur gewonnen, sie haben dem europäischen Topspiel eine klare Machtbotschaft entnommen: Die Dauerrivalin Norwegen ist platt, das WM-Ticket 2027 rückt mit jedem Schritt näher.

Kunstrasen, hegerberg, platzwunde – alles abgefrühstückt

Ann-Katrin Berger spulte nach dem Schlusspfiff eine Blutspur vom Kinn. Drei Minuten vorher hatte sie sich mit dem Gesicht an einem Aluminiumstangen-Flügel verhakt, um Ada Hegerbergs letzte Torchance zu ersticken. Die Norwegerin stolperte, der Ball landete im Tornetz – diesmal hinter ihr. „So geht Führung“, sagte Berger leise, während das medizinische Team die Platzwunde zuklebte. Ihre Paraden in der 34. Minute, Doppelpack gegen Gaupset und Reiten, hatten das Spiel schon vor der Pause entschärft.

Christian Wück hatte vor dem Kunstrasen gewarnt, das seine Spielerinnen angeblich ausbremst. Doch wer genau hinsah, entdeckte das Gegenteil: Elisa Senß nutzte den rutschigen Untergrund, um den Ball bei ihrem Tor links mit zusätzlichem Spin zu versehen. Die Abpraller-Gefahr war kalkuliert. „Wir haben den Rasen studiert, nicht gefürchtet“, sagte Senß. Ihr Treffer in der 18. Minute war die logische Folge aus einer Woche Videoanalyse, in der Wück jeden Kunstrasen-Bounce einzeln stoppte.

Blitz-doppelschlag vor der kabine vernichtet norwegische seele

Blitz-doppelschlag vor der kabine vernichtet norwegische seele

Die Gegner kamen gerade wieder in Schwung, da schlug Deutschland zweimal binnen 123 Sekunden zu. Carlotta Wamser verwandelte in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit eine Flanke von Vivien Endemann, die sich selbst kurz darauf mit einem Solo aus dem Abseits heraus belohnte. 3:0 zur Pause, das Stadion in Stavanger verstummte, als hätte jemand den Sound abgedreht. Norwegens Trainer Hege Riise schien während des Pausenpfiffs mehr mit ihrem Tablet zu ringen als mit taktischen Anweisungen.

In der Kabine war die Ansprache kurz. Wück zählte drei Punkte auf: „Tempo, Kontrolle, Konter.“ Das klang simpel, war perfekt eingestudert. Denn genau diese drei Elemente führten in der 58. Minute zum 4:0. Jule Brand schloss einen Konter mit derartiger Gelassenheit ab, als habe sie den Ball vorher in der Tasche versteckt. Dabei war sie erst in der Mitte umpositioniert worden, weil Linda Dallmann schonte und Wamser auf rechts brandete.

Österreich wartet – und ein neues gesicht

Österreich wartet – und ein neues gesicht

Jella Veit kam, sah, debütierte. Die 20-jährige Verteidigerin von der U20-Weltmeistermannschaft 2024 durfte in der 69. Minute ran, ersetzte Janina Minge, machte ihrem Namen alle Ehre. Veits erster Ballkontakt war ein Grätschen gegen Hegerberg – sauber, ohne Foul, mit Nachspielzeit-Blick. „Ich habe nur gedacht: Nicht nachlassen“, sagte sie nach dem Abpfiff, das Haar noch vom Regen verklebt.

Nächster Gegner: Österreich, zweimal in vier Tagen, 14. und 18. April in Nürnberg und Ried. Die Österreicherinnen stehen bei null Punkten, haben null Tore geschossen, kassierten sieben. Für Deutschland dürfte es kein Härtetest, sondern ein Zählspiel werden: Tordifferenz +9, Gruppensieg so gut wie sicher. Brasilien 2027 rückt in greifbare Nähe.

Die Zahlen sind gnadenlos, die Botschaft klar: Wer jetzt noch einen Zweifel hegt, hat sie nicht mehr lange. Die deutschen Fußballerinnen fahren nicht nur zur WM, sie fahren als Anwärterinnen auf den Titel – und mit einer Torhüterin, die für jeden Gegner eine neue Narbe riskiert.