Norwegen trennt sich von jonas wille – das experiment endet mit leeren händen
Jonas Wille muss gehen. Der norwegische Handballverband beendet die Zusammenarbeit mit seinem Männer-Trainer vorzeitig – und das, obwohl der Vertrag eigentlich bis Juli 2026 läuft. Die Entscheidung fiel am Dienstagabend im Präsidium, wie ein gezielter Schlag ins Gesicht des 49-Jährigen.
Der Verband spricht von „Fortschritten“, die sich „nicht in den Resultaten widerspiegeln“. Eine vernichtende Bilanz: Seit Sommer 2022 führte Wille die Skandinavier durch fünf Großturniere – und holte dabei nur Platzierungen zwischen Rang sechs und zehn. Kein Finale, kein Medaillenkampf, keine Überraschung. Für eine Nation, die sich selbst gern in der Weltspitze sieht, ist das ein Offenbarungseid.

Die suche nach dem letzten prozent
„Wir glauben, dass es andere Kandidaten gibt, die die Chancen erhöhen, dass das Team in den kommenden Jahren die letzten Prozente herausholt“, erklärte Verbandspräsidentin Randi Gustad. Das klingt nach Optimismus, ist aber ein Eingeständnis: Wille hatte das Maximum aus diesem Kader offenbar erreicht – und das reicht nicht.
Der Deutsche hatte Norwegen mit jugendlichem Mut und analytischem Blick aufgebaut, setzte auf Tempo und variable Abwehrformationen. Doch in den engen Spielen schwanden die Nerven, und der Kreislauf „Jung, schnell, aber unerfahren“ zeigte Risse. Die Niederlagen gegen Dänemark und Frankreich im Viertelfinale der Olympischen Spiele 2024 waren symptomatisch: viel Leidenschaft, wenig Killer-Instinkt.
Nun beginnt die Jagd nach einem Nachfolger. Interne Listen kursieren bereits, Ex-Nationalspieler und Liga-Coaches werden gehandelt. Doch die Uhr tickt: In zwölf Monaten steht die EM 2027 an, und das neue Konzept muss stehen, bevor die Qualifikation beginnt.
Wille selbst verabschiedet sich mit einem Lächeln, das bitter schmeckt: „Ich wünsche der Mannschaft alles Gute für die Zukunft.“ Die Worte klingen freundlich, doch zwischen den Zeilen liest man den Frust: Ein Trainer, der seine Ideen nicht mehr umsetzen darf, ist kein Trainer – nur noch ein Zuschauer mit Headset.
Für Norwegen beginnt nun ein zweites Experiment. Das erste endete mit dem Ruf nach mehr Emotionen und einem Platz im Mittelfeld. Das nächste muss liefern – sonst wird der Handball-Weltmacht-Anstrich endgültig blättern.
